Interview

Wenn Menschen ans Ende ihres Lebens kommen

Mitarbeiter im Hospiz versuchen, Sterbenden die letzten Tage so angenehm und schmerzfrei wie möglich zu machen

Was ist eigentlich ein Hospiz? Wie geht es dort zu? Mit solchen Fragen sind vier Schülerreporterinnen in das Caritas-Hospiz Pankow gegangen. Antworten darauf bekamen sie vom Hospiz-Leiter Joachim Müller, von der Krankenschwester Katharina Kock und dem Krankenpfleger Christian Seidel.

Anna, Anouk, Ella & Josefine:

Warum gibt es Hospize? Und was bedeutet eigentlich das Wort Hospiz?

Joachim Müller:

Hospiz kommt aus dem Griechischen und bedeutet Gasthaus oder Herberge. Die meisten Menschen möchten zuhause sterben. Doch die Angehörigen schaffen es nicht immer, sich um sie zu kümmern. Man kann im Hospiz mehr auf den einzelnen Menschen achten: Leute, die bald sterben, sollen bis zum Tod eine angenehme Zeit haben.

Gibt es auch Kinderhospize?

Müller:

Ja, unter den 13 Hospizen in Berlin ist auch ein Kinderhospiz.

Wie ist es, im Hospiz zu arbeiten?

Christian Seidel:

Die Menschen, die hier sind, werden bald sterben. Wir begleiten sie daher bis zum Tod. Man kann entscheiden, wann man Hilfe möchte und wann nicht. Man kann eigene Möbel und Bilder von zuhause mitbringen. Man hat als Pfleger oder Krankenschwester mehr Zeit für die Menschen als in einem Pflegeheim oder im Krankenhaus.

Was machen Sie, wenn jemand stirbt?

Müller:

Immer wenn jemand stirbt, stellen wir eine brennende Kerze vor die Tür des Verstorbenen – bis die Bestatter kommen. Dann werden am Ende des Jahres alle Verwandten eingeladen, und es gibt ein Essen, bei dem man noch einmal alle Erinnerungen an den Verstorbenen austauschen kann.

Hat jeder Gast einen eigenen Pfleger oder eine eigene Pflegerin?

Müller:

Es gibt drei Pflegegruppen und meistens 14 Gäste, also betreut jeder Pfleger vier bis fünf Gäste.

Wollen viele Leute ins Hospiz aufgenommen werden?

Müller:

Ja, mehrere hundert Menschen melden sich jedes Jahr an. Wir können nicht alle aufnehmen, denn das Hospiz Pankow hat nur 14 Plätze. Aber wir haben eine Warteliste, auf der ungefähr hundert Wartende stehen.

Muss man für den Aufenthalt im Hospiz etwas bezahlen?

Müller:

Nein. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Wie sind Sie darauf gekommen, in einem Hospiz zu arbeiten?

Seidel:

Ich habe vorher in einem Pflegeheim gearbeitet, und ich empfand es immer als sehr schlimm, wenn es jemandem schlecht ging und niemand Zeit für ihn hatte. Und dann habe ich mich umgeschaut und hatte dann die Möglichkeit, in einem Hospiz zu arbeiten. So bin ich hier in das Hospiz gekommen.

Katharina Kock:

Bei mir in der Familie sind schon viele gestorben, und deshalb hatte ich mich oft mit dem Thema auseinandergesetzt.

Müller:

Ich habe auch vorher in einem Krankenhaus gearbeitet. Dort war ich Leiter einer Station für Schwerstkranke, und dann wurde mir angeboten, das Hospiz hier in Pankow mit aufzubauen.

Wie nehmen Sie jemanden auf?

Müller:

Wenn jemand aufgenommen wird, muss er todkrank sein, also etwa Krebs haben. Die schwere Krankheit muss ein Arzt feststellen. Es muss auch so sein, dass der Patient trotz vieler Hilfen nicht zuhause versterben kann.

Würden Sie Sterbehilfe erlauben?

Müller:

Das Hospiz Pankow lehnt dies ab. Man kann Menschen das Leben bis zum Tod auch bei schwerer Krankheit angenehm gestalten, so dass sie keine Schmerzen haben, nicht einsam sind.

Anna Höhn, Anouk Horstkötter, Ella Schellenberg & Josefine Struß, Klasse 5/1, Heinrich-Schliemann-Gymnasium, Prenzlauer Berg