Interview

Wenn das Handy Freundschaften zerstört

Schulpsychologe erklärt, wie schnell man vom Smartphone abhängig wird und welche Strategien dagegen helfen

Paul besitzt eines der neusten Smartphones. In jeder freien Minute ist er mit seinem Handy beschäftigt. In der Schule hat er sein Handy immer griffbereit unter dem Tisch. Wenn der Unterricht langweilig ist, chattet er mit Freunden oder spielt auf seinem Smartphone. Er kennt alle Trends in den sozialen Netzwerken, da er dank des mobilen Datenvolumens immer online sein kann. Seine Freunde bezeichnen ihn deshalb als süchtig oder abhängig. Aber was ist da genau der Unterschied – und wie definieren es die Experten? Um das herauszufinden, haben wir ein Interview mit dem Schulpsychologen Dr. Wolfgang Steininger und dem Lichtenberger Kontaktlehrer Rainer Bäth geführt. Wenn Ihr selbst herausfinden wollt, ob ihr süchtig seid, könnt ihr danach den Selbsttest auf dieser Seite machen.

David Hofacker:

Wie zeichnet sich eine Handysucht aus?

Wolfgang Steininger & Rainer Bäth:

Manchmal ist es schwierig zu bestimmen, ob jemand schon oder noch nicht abhängig ist. Die Abhängigkeit ist das letzte Stadium einer Sucht, in dem es meistens zu einem vollkommenem Kontrollverlust kommt.

Wie erkennt man eine Sucht?

Das Problem ist, dass der Betroffene immer noch glaubt, er hätte die Kontrolle, obwohl er auf dem Weg ist, sie zu verlieren. Meistens erkennen Menschen aus dem näherem Umfeld zuerst die Sucht.

Gibt es Entzugserscheinungen?

Es kann passieren, dass der Süchtige total neben sich steht, weil er glaubt, dass ihm etwas „Lebenswichtiges“ fehlt.

Wie kommt es zu einer Sucht?

Es gibt Menschen, die empfänglicher für eine Sucht sind als andere. Man ist nicht von heute auf morgen süchtig nach etwas – es tritt eher unmerklich ein.

Was genau können Gründe für eine Sucht sein?

Oft sind Gründe für eine Sucht mit anderen sozialen Problemen verkoppelt. Wenn man zum Beispiel bereits sozial isoliert ist, ist man möglicherweise anfälliger für eine Sucht.

Wie kann einem geholfen werden?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Erst einmal ist es wichtig, professionelle Hilfe anzunehmen, wie zum Beispiel die der Schulseelsorge, die eines Schulpsychologen oder die eines Vertrauenslehrers. Das Problem ist, dass es sehr schwierig sein kann, einer Sucht entgegen zu wirken. Denn auch wenn man es geschafft hat, eine Sucht zu bekämpfen, kann es wieder zu einem Rückfall kommen. Deswegen ist es wichtig, sich eine Alternative oder eine Ablenkung zu suchen.

Haben Sie konkrete Tipps?

Beispielsweise kann man für sich beschließen, die Handy-Zeiten zu begrenzen. Man sollte auch aufpassen, dass man sich nicht selbst ständig unter Druck setzt. Eine Chat-Nachricht muss nicht immer umgehend beantwortet werden, man kann auch mal eine Stunde später darauf reagieren. Wer immer gleich antwortet und dafür andere Tätigkeiten unterbricht, bereitet sich selbst Stress – das ist eine Dauerbelastung. Es lohnt sich daher, auch über einen Handy-freien Tag nachzudenken.

Welche Gefahr stellt eine Sucht dar?

Eine Sucht ist immer schädlich. In Falle einer Handy-Sucht dominiert das Handy die Freizeit. Das heißt, dass andere Freizeitbeschäftigungen vernachlässigt werden. Darunter können zum Beispiel Freundschaften leiden.

Gibt es eigentlich viele Handy-Süchtige?

Viel öfter kommt Internet-Sucht vor, die aber mit Handys zu tun haben kann.

David Hofacker, Jahrgang 9, Friedrich-Ebert-Gymnasium, Wilmersdorf. Den Selbsttest hat David zusammen mit Jan Hendrik Ostrop, Jahrgang 9, Arndt-Gymnasium, Dahlem, entwickelt