Interview

„Ich habe ganz sicher keine sechs Wochen Sommerferien“

Der Lehrer-Alltag ist härter als man denkt: Bettina Urban erzählt im Interview, warum sie wenig Zeit für Pausen hat

Von „faulen Säcken“ sprach der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder 1995 – und meinte damit die Lehrer. Die Schüler unseres Gymnasiums dagegen sagten bei einer kleinen Umfrage, der Schulalltag eines Lehrers sei anstrengend und mit wenig Freizeit verbunden. Auf die Frage, wie der Alltag eines Lehrers denn aussehe, antworteten die Schüler und Schülerinnen, dass Lehrer von Raum zu Raum gehen, Arbeiten korrigieren, Blätter kopieren und ihr Tag langweilig sei, da er immer gleich ablaufe. Aber ist das wirklich so? Dazu haben wir Bettina Urban befragt, die am Lilienthal-Gymnasium in Lichterfelde Geschichte und Englisch unterrichtet.

Jasmine und Yara:

Frau Urban, was machen Sie vor dem Unterricht für die Schule?

Bettina Urban:

Ich muss beispielsweise Materialien für den Unterricht fotokopieren. Heute habe ich die mobile Einheit in den Klassenraum geschoben, angeschlossen und den Computer hochgefahren. Vor Unterrichtsbeginn sind einige Sachen zu organisieren.

Haben Sie auch Pausen, wie die Schüler, oder sind Sie den ganzen Schultag auf Trab?

Das ist schwierig mit den Pausen. Also Pausen, in denen ich mich wirklich im Lehrerzimmer hinsetzen kann, in denen ich etwas esse oder etwas trinke, sind eher selten. Wenn man Pausenaufsicht hat, kommt man auch nicht dazu, wirklich zu entspannen oder etwas in Ruhe zu essen. Jetzt geht es ja auch wieder los, dass Schüler in den Pausen Fragen haben zur fünften Prüfungskomponente im Abitur oder beim MSA.

Was machen Sie, wenn Sie von der Schule nach Hause kommen?

Das Erste ist – gleich schon auf dem Heimweg – dass ich überlege, was ich noch einkaufen muss. Was ich auch heute tun werde. Dann fahre ich nach Hause, mache mir etwas zu essen. Heute muss ich zum Beispiel gleich wieder los und in die Schadow-Oberschule fahren, wo eine Englisch-Regionalkonferenz stattfindet.

Wie lange arbeiten Sie noch, wenn Sie zu Hause sind?

Das ist unterschiedlich: Es hängt davon ab, wie viele Stunden Unterricht ich am nächsten Tag habe und was für ein Unterricht das ist. Heute zum Beispiel wird der Tag sehr lang werden. Nach dem Unterricht habe ich am Mittag zwei Stunden Zeit, in denen ich etwas essen werde. Nach der Konferenz werde ich ungefähr um 18 Uhr nach Hause kommen und dann muss ich noch vier Stunden Unterricht vorbereiten. Am Abend sitze ich mindestens zwei, oft auch drei und manchmal sogar vier Stunden am Schreibtisch.

Denken Sie 24 Stunden am Tag nur an die Schule oder haben Sie auch Zeit, sich auszuruhen?

(Lacht) Ich versuche schon, mir die Zeit zu nehmen. Ich bin im letzten Oktober erst umgezogen, deshalb gibt es ganz viele Dinge, die ich an der Wohnung noch ändern muss. Also 24 Stunden denke ich nicht an die Schule. (Lacht erneut) Ich schlafe ja auch noch ein paar Stunden, aber ich muss sagen, die Schule nimmt auf jeden Fall den deutlich größeren Teil meines Tagesablaufes ein. Auch im Denken.

Wie viele Klassen und Stunden haben Sie durchschnittlich am Tag?

Meistens habe ich drei bis vier verschiedene Klassen am Tag und bin von 8 bis 13.30 Uhr oder 14.30 Uhr in der Schule.

Haben Sie genau so lange Ferien wie die Schüler, oder arbeiten Sie in den Ferien?

(Lacht) Nein, ich habe ganz sicher keine sechs Wochen Sommerferien. In der ersten Ferienwoche muss ich das vergangene Schuljahr archivieren, dann lege ich es in Ordnern ab. Alles, was ich mit den Schülern im Schuljahr gemacht habe, kommt in Aktenordner und alles, was ich nicht mehr brauche, werfe ich weg. Dann beginnen ein paar Wochen Ferien. Die letzte Woche bin ich dann wieder dabei, das nächste Schuljahr vorzubereiten.

So beschreibt unsere Lehrerin ihren Alltag, aber wie ist es bei anderen Lehrern? Finden sie ihn anstrengend oder macht er ihnen Spaß? Wer mehr wissen will kann sich im Internet informieren: http://www.lehrerfreund.de/schule/1s/ein-lehrer-tag/2984

Jasmine Okita, 13, und Yara Dietsch, 12, 8. Kl., Lilienthal-Gymnasium