Charité-Kinderklinik

Kleine Patienten, großes Krankenhaus

Auf dem Boden liegen Puzzleteile verstreut. In den Regalen und Schränken stapeln sich Spiele und Bücher. An den Wänden, die nicht von Regalen verdeckt sind, hängen bunte Kinderzeichnungen. Der Fernseher läuft. In der Mitte des Raumes steht ein kleiner Tisch, um ihn herum sind ein paar Stühle gruppiert.

Im Spielezimmer empfängt uns Prof. Dr. Susanne Lau in Jeans und schwarzem Rolli. Die Oberärztin der Charité-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Campus Virchow, ist Spezialistin für Lungen- und Atemwegserkrankungen sowie Allergologie. Sie betreut auf der Station viele junge Patienten mit Lungenerkrankungen und Störungen des Immunsystems. Aber auch andere Kinder, die an Infektionen leiden. Die Patienten sind Säuglinge, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, aber auch ältere junge Erwachsene mit angeborenen chronischen Erkrankungen.

Nächtliche Asthmaanfälle

Im Erdgeschoss der Kinderklinik befindet sich eine Erste-Hilfe-Station, die rund um die Uhr Patienten aufnimmt. Hierhin kommen z. B. Kinder, die mitten in der Nacht einen Asthmaanfall haben. Ihnen werden in einem Behandlungsraum Medikamente zur Erweiterung der Bronchien gespritzt und sie bekommen Sauerstoff zugeführt.

Auf einem der Kinderstühle im Spielzimmer der Station sitzend erzählt uns die Ärztin von ihrem Arbeitsalltag: "Ich komme um acht Uhr in die Klinik, je nachdem, was am Tag ansteht. Dann schaue ich im Sekretariat vorbei und sage kurz Bescheid, dass ich da bin. Um zirka neun Uhr mache ich meine Visite, spreche gegebenenfalls mit neuen Patienten und sehe nach, wie es den 'alten' geht. Danach beginnt meine Sprechstunde für Patienten, die ambulant behandelt werden." Außerdem gibt Susanne Lau Lehrunterricht für Studierende der Medizin. "So zwischen 17 und 19 Uhr habe ich dann Feierabend."

Was macht die Arbeit auf der Station manchmal schwer? Durch verknappte finanzielle Ressourcen wird immer mehr Arbeit von weniger Personal übernommen. Es kommt auch vor, dass Eltern mit der Behandlungsmethode ihres Kindes nicht einverstanden sind. In solchen Fällen setzt sich die Oberärztin mit den Eltern zusammen, um ihnen die Vorzüge der Behandlung genau zu erklären und sie davon zu überzeugen. Da viele Eltern Deutsch nicht als Muttersprache sprechen, gibt es auch immer mal wieder Sprachprobleme. "Früher gab es auf der Station fest angestellte Dolmetscher, deren Stellen aber aus Kostengründen gestrichen wurden. Wenn wir heute einen Dolmetscher brauchen, z. B. zur Aufklärung der Eltern vor einer Operation, muss extra einer bestellt werden."

Auf die Frage, wie sie zu ihrem Beruf gekommen sei, antwortet die Medizinerin, dass sie gerne einen Beruf haben wollte, in dem sie viel Kontakt zu anderen Menschen hat. Schon als Schülerin habe sie sich dafür interessiert, wie der menschliche Körper funktioniere.

Deshalb hat Susanne Lau bereits während ihrer Schulzeit ein Praktikum im Krankenhaus gemacht und danach angefangen, Medizin zu studieren. "In den ersten zwei Jahren machte mir das Studium keinen Spaß, da ich viel Theorie lernen musste." Nach dem sechsjährigen Medizinstudium spezialisierte sie sich. Heute ist sie Fachärztin für Kinderpneumologie und -allergologie in der Kinderklinik der Berliner Charité.

Zurück auf der Station können wir uns ein bisschen umschauen: Es ist erstaunlich still auf den langen Fluren. Es riecht nach Desinfektionsmitteln. An den Wänden hängen selbstgemalte Bilder der Kinder.

Spielekoffer für alle Fälle

Im verglasten Schwesternzimmer sitzt eine Krankenschwester im blauen Kittel am Computer, am zweiten PC blitzen helle Sterne auf schwarzem Hintergrund als Bildschirmschoner. Ein Krankenpfleger kommt herein.

Ein paar Schritte weiter befindet sich die Küche. "Insbesondere wenn die Patienten länger auf der Station sind und ihnen das Krankenhausessen nicht mehr schmeckt, bringen die Eltern etwas zu essen mit und machen es hier warm ", berichtet Susanne Lau.

In einem weiteren Raum bereitet eine Krankenschwester Spritzen vor. Wenn die Kinder längere Zeit nichts essen können, werden ihnen Nährstoffe wie Fette, Kohlenhydrate und Aminosäuren gespritzt. Auch manche Medikamente werden als Spritze verabreicht. Die Erkrankungen der Kinder werden meist medikamentös behandelt. In einigen Fällen sind auch chirurgische Eingriffe nötig.

Woran kann es liegen, dass ein Patient längere Zeit nicht gesund wird? "Manchmal braucht die Krankheit länger, um zu heilen oder sie ist nicht zu heilen. Vielleicht ist aber auch die Diagnose falsch und damit die Behandlung", so Frau Lau.

Die Oberärztin führt uns noch in ein Krankenzimmer. Eine kleine Patientin sitzt auf dem Arm ihrer Mutter. Sie spielt mit einem Plastikbeutel, in dem Nutellapröbchen sind. Auf dem Tisch steht Schokolade, daneben liegen einige Spielsachen.

Die Mutter, die einen Mundschutz trägt, erzählt: "Jedes Mal, wenn wir hier hinkommen, nehme ich einen Spielekoffer mit." Das zweijährige Mädchen, das regelmäßig für ein paar Tage zur Kontrolle auf die Station kommt, hat eine schwere Lungenerkrankung. Da ihr Immunsystem geschwächt ist, darf sie in der Klinik nicht mit anderen Kindern in Kontakt kommen, von denen viele ansteckende Krankheiten haben.

Kinder, die länger als das kleine Mädchen in der Klinik sind und schon in die Schule gehen, werden hier übrigens auch beschult. Es werden aber nur die wichtigsten Fächer - wie Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch - unterrichtet.

Als wir das Krankenzimmer verlassen, desinfizieren wir uns die Hände. Seit einiger Zeit hängt neben jeder Tür ein Spender mit Desinfektionsmittel. "Damit man nicht vergisst, seine Hände zu desinfizieren ", sagt Frau Lau.

Was sie an ihrem Beruf besonders mag? "Die Kinder sind fast immer fröhlich und meistens werden sie wieder gesund."