Sport

Warum Alba viel mehr ist als ein Basketballverein

Der Traum von der Meisterschaft ist für Alba Berlin diesmal geplatzt. Doch erstens kommt die nächste Saison bestimmt und zweitens ist Alba mehr als nur ein Basketballverein:

Johannes ist mein großer Bruder. Er wurde in diesem Jahr 25 Jahre alt. Von Geburt an lebt er mit dem Down-Syndrom. Mein Vater hatte uns vor zehn Jahren mit in die Max-Schmeling-Halle genommen, um ein Basketballspiel von Alba anzuschauen. Und es muss Johannes so sehr gefallen haben, dass er immer und immer wieder zu den Spielen von Alba gehen wollte.

Mittlerweile haben wir Dauerkarten und die Spieltermine bestimmen den Tagesablauf. Johannes ist vor Spielbeginn stets ganz rechtzeitig vor dem Halleneingang, damit er die Spieler abklatschen kann. Auch vor und nach dem Spiel hat er bestimmte Anlaufpunkte, um nahe bei den Spielern zu sein. Er hat inzwischen ein großes Sortiment an Fan-Artikeln.

Er schaut sich jede Saison einen Spieler aus, den er nach seinem Trikot fragt, wenn die Saison abgelaufen ist. Bisher hatte er immer Erfolg damit. Höhepunkte sind für Johannes die Momente, wo er der Mannschaft besonders nah kommt. So umarmte er letzte Saison jeden Spieler bei der Ankunft auf dem Flughafen Tegel, als Alba gegen Bonn die Meisterschaft gewann. Dem guten Kontakt zu Henning Harnisch (Sport-Direktor bei Alba) hat es Johannes zu verdanken, dass er bei der letzten Meisterschaftsfeier zusammen mit den Spielern in die Max-Schmeling-Halle einlaufen durfte. Auch zu Marco Hauert (Präsident) hat Johannes einen guten Draht. Er scheut sich auch nicht, auf den Vereinssitzungen Fragen zu stellen, denn das ist für ihn als Vereinsmitglied selbstverständlich.

Auf das Ausscheiden im Playoff-Halbfinale reagierte Johannes so: Schon kurz vor Spielende zog er sich sein Alba-Trikot mit der Nr. 13 (Femerling) aus. Zum Abklatschen der Spieler musste ich ihm gut zureden. Ich sagte ihm, dass er viele von ihnen in der neuen Saison nicht mehr sehen werde. Und so verabschiedete er sich auf seine Weise von seinen Lieblingen...

Sophia Mesus , OSZ Lotis, Tempelhof