Reisen mit dem Wohnmobil

Fahren, staunen, essen, schlafen

Die zehn spektakulärsten Routen mit dem Wohnmobil: irre Brücken, waghalsige Serpentinen und enormes Gefälle

Das Klischee hält sich hartnäckig: Wohnwagenanhänger, Camper, Wohnmobile – das können doch nur Holländer sein! Von wegen. Auch die Deutschen haben offenbar Geschmack gefunden am mobilen Wohnen, das die große Freiheit und Unabhängigkeit verspricht. „Immer mehr Bundesbürger suchen das Gefühl von Freiheit und Abenteuer und machen sich mit einem Wohnmobil weltweit auf Reisen. Die Reiseform wird immer beliebter und passt zum Trend des individuellen Reisens“, sagt Ilka Lauenroth, Leiterin TUI Cars, Camper und Hausboote.

Urlauber haben positive Wohnmobil-Erfahrungen in Ländern wie USA, Kanada oder Australien gemacht, sie haben auf besondere, individuelle und intensive Form die Länder bereist und kennengelernt. „Auch hierzulande werden die Campingplätze immer komfortabler und haben mit den früheren ,Zeltplätzen‘ mit ,Gruppenduschen‘ nicht mehr viel gemein. Wir bemerken außerdem einen Trend zum luxuriösen Wohnmobil: Land-Yachting ist im Kommen. Viele Campingfans möchten nicht mehr auf den gewohnten Komfort von zu Hause oder eines guten Hotels verzichten. Daher wächst die Nachfrage nach hochwertigen Reisemobilen und Premiumfahrzeugen schneller als der Markt“, so Ilka Lauenroth gegenüber dieser Zeitung.

Bei Touren mit dem Wohnmobil ist vielfach der Weg das Ziel. Wer nicht nur von A nach B kommen möchte, legt Wert auf landschaftlich besonders schöne oder gar spektakuläre Routen. Campanda.de, nach eigenen Aussagen größtes Buchungsportal für Wohnwagen und Wohnmobile weltweit, hat die zehn vielleicht spektakulärsten Panoramastraßen zusammengestellt – von der steilsten Straße der Welt bis zu den höchsten Gebirgspässen Europas.

1. Auf das Dach Italiens Über Dutzende von Serpentinen schlängelt sich die Passstraße Passo dello Stelvio (Stilfser Joch) bis auf eine Höhe von 757 Metern über dem Meer. Damit ist das Stilfser Joch der höchste Gebirgspass in Italien. Nach der Wintersperre ab Juli ist die Straße auch für nicht zu große Wohnmobile geeignet. Die rund 50 Kilometer lange Straße verbindet die Orte Bormio und Prad.

2. Steil, steiler, Baldwin Street Am anderen Ende der Welt, auf der Südinsel Neuseelands, müssen Wohnmobilfahrer Gas geben. Die Baldwin Street wartet mit einem Gefälle von bis zu 35 Prozent auf. Damit ist sie laut „Guinnessbuch der Rekorde“ die steilste Straße der Welt. Sie ist so steil, dass sie nicht asphaltiert werden konnte. In heißen Sommern würde die Asphaltdecke schmelzen.

3. Sechsmal über 2000 Meter Wohnmobilfahrer auf der Route des Grandes Alpes überwinden auf den 700 Kilometern vom Genfer See bis an die Côte d’Azur insgesamt fast 16.000 Höhenmeter. Von den 16 Alpenpässen auf der Route erreichen sechs eine Höhe von über 2000 Metern. Die Route ist von Juni bis Mitte Oktober befahrbar. In Sichtweite der Straße befinden sich imposante, ehemalige Militäranlagen aus dem 17. bis 20. Jahrhundert.

4. Durch den Wilden Westen Die Route 66 („Mother Road“) ist der Inbegriff endloser Weite und daher Sehnsuchtsziel vieler Wohnmobiltouren. Die knapp 4000 Kilometer lange Fernstraße verband von 1926 an Chicago mit Santa Monica in Kalifornien. Heute ist sie nicht mehr durchgängig befahrbar, doch viele Teilstücke üben immer noch eine große Faszination auf Reisende aus. Spektakuläre Wüstenlandschaft bietet die Route zum Beispiel in New Mexiko und Arizona. Nahe der Stadt Winslow in Arizona schlug vor gut 50.000 Jahren ein Meteorit ein und hinterließ einen Krater mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer.

5. Pünktlicher Geysir Einmal rund um Island führt mit der Hringvegur eine gut 1300 Kilometer lange Ringstraße. Wer die gesamte Route im Wohnmobil abfahren und Zeit für die Sehenswürdigkeiten haben möchte, sollte sich mindestens eine Woche Zeit nehmen. Etwas abseits, gut 100 Kilometer nordöstlich von Reykjavík, liegt ein interessantes Geysirfeld. Der Strokkur speit regelmäßig bis zu 20 Meter hohe Fontänen in die Luft. Noch etwas weiter östlich stürzt sich ein Gletscherfluss über den Wasserfall Gullfoss insgesamt 30 Meter in die Tiefe.

6. Im Höhenrausch In Südfrankreich, genauer unweit der Stadt Millau in der Region Midi-Pyrénées, wartet die Autobahn A 57 mit einer spektakulären Talbrücke auf, dem Viadukt von Millau. 270 Meter oberhalb des Flüsschens Tarn überspannt die längste Schrägseilbrücke der Welt seit mehr als zehn Jahren das Tal. Die Brücke ist insgesamt knapp 2,5 Kilometer lang und hält einen weiteren Rekord. Mit einer maximalen Pfeilerhöhe von 343 Metern überragt sie den Eiffelturm und ist das höchste Bauwerk Frankreichs.

7. Meer, so weit das Auge reicht Dänemark und Schweden trennt die Meerenge Öresund. Seit dem Jahr 2000 verbindet die gut 7,8 Kilometer lange Öresundbrücke beide Länder und macht lange Fährfahrten überflüssig. Je nach Wetterlage und Windstärke ist die Überfahrt ein spannendes Erlebnis. Die Preise für Wohnmobile in Dänemark und Schweden sind höher als die in Deutschland. Wer sparen möchte, sollte sein Fahrzeug bereits in Deutschland anmieten, etwa in Kiel oder Flensburg.

8. Inselhüpfen in Norwegen Knapp neun Kilometer schlängelt sich die Atlanterhavsveien (die Atlantikstraße ist ein Abschnitt der norwegischen Reichsstraße 64) über acht zum Teil verschnörkelte Brücken und mehrere Inseln entlang der norwegischen Atlantikküste. Der Gezeitenwechsel ist hier so stark, dass spektakuläre Strömungen entstehen, die von den Aussichtsplattformen gut beobachtet werden können.

9. „Gratwanderung“ an der Grenze Von Berchtesgaden in Oberbayern aus führt die Rossfeldpanoramastraße bis auf eine Höhe von 1600 Metern. Damit stellt sie Deutschlands höchstgelegene Mautstraße dar. Auch mit den meisten Wohnmobilen ist die Strecke, die teilweise auf österreichischem Gebiet verläuft, gut befahrbar. Die Roßfeldpanoramastraße ist ein idealer Ausgangspunkt für Bergwanderungen etwa zum Kehlsteinhaus.

10. Entlang der irischen Steilküste Auf einer Länge von 2600 Kilometern schlängelt sich der Wild Atlantic Way entlang der gesamten irischen Westküste – von Derry bis ins County Cork. Unterwegs bieten immer wieder Aussichtspunkte freie Sicht auf die windgepeitschte See. Besonders empfehlenswert ist der rund 250 Kilometer lange Küstenabschnitt zwischen Doolin und Dingle. Bei den Cliffs of Moher südlich von Doolin fällt die Steilküste 214 Meter fast senkrecht in den tosenden Atlantik ab.