Serie: Kleine Fluchten

Auf dem Kamm des Thüringer Waldes

Oberhof kennt man vom Wintersport. Urlauber kommen schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts

Andrea Henkel, Kati Wilhelm oder Tobias Angerer. Andre Lange, Tino Edelmann oder Silke Kraushaar. Die Liste der Biathleten und Langläufer, Bobfahrer, Nordischen Kombinierer und Rennrodler, die in Oberhof trainieren und trainierten, liest sich wie das „Who is Who“ des deutschen Spitzensports. Aber nicht nur die Profis schätzen die Qualitäten des Wintersportzentrums im Thüringer Wald. Auch Breitensportler und Touristen kommen in Scharen und machen das Städtchen zum meistbesuchten Ferienort der Region.

Mit der Ankunft der ersten Urlaubsgäste Mitte des 19. Jahrhunderts war der Grundstein gelegt für eine Hochburg des Wintersports und eine Entwicklung, die Oberhof von der Kaiserära über die Jahre des Sozialismus bis zur Nachwendezeit formen und verändern sollte. Heute erlebt der Urlauber einen hübschen, aber deutlich vom Tourismus gezeichneten Ort, dessen Bettenkapazität die Zahl seiner circa 1600 Einwohner um mehr als das Doppelte übersteigt.

Aus dem Kurhaus wurde ein Hotel

Eines der schönsten Quartiere für die Fremden residiert dabei im nördlichen Teil Oberhofs, ruhig und naturnah am Wald. Das Berghotel Oberhof ist ein Haus mit langer Tradition, dessen wechselvolle Geschichte 1891 begann, als sich ein vermögender Berliner namens Schlegel in der damaligen Prinzenstraße eine prächtige Villa im norwegisch-russischen Stil und damit ganz im Geschmack des Kaisers errichten ließ. Nur wenige Jahre später kaufte der Kur- und Badearzt Dr. Curt Weidhaas das Haus, machte Wohnung und Praxis daraus. Er baute dann auch das Kurhaus Marienbad dazu und ergänzte das Ensemble 1908 durch ein Bettenhaus. Später ging das Anwesen an den erfolgreichen Thüringer Gastronomen Curt Elschner, der das Kurhaus als Hotel Esplanade weiterführte. Es folgten lange Jahre als Erholungsheim, bevor sich der Komplex 1993 erneut in einen Hotelbetrieb verwandelte.

Nach Umbau und Modernisierung werden heute im Berghotel die Gäste mit allen Annehmlichkeiten eines gehobenen Komforts verwöhnt. Mittelpunkt der Anlage ist das vierstöckige Hauptgebäude, das zu Weidhaas’ Zeiten als Bettenhaus fungierte und durch einen langen Gang eine Verbindung zum einstigen Kurhaus schafft, das inzwischen gastronomische Weihen empfing und als Restaurant Saltus sowohl Thüringer als auch internationale Speisen auftischt. Bleibt noch die Villa Schlegel, die heute Villa Silva heißt und sich als kleine Kostbarkeit im Rücken des Hauptbauses und abseits der Straße versteckt.

Im Haupthaus liegen 54 der insgesamt 69 Zimmer des Berghotels – unterschiedlich in der Größe, aber identisch in der Einrichtung. Zeitgemäß, wenn auch nicht stylish zeigt sich das Interieur, das mit Möbeln in hellem Holz und viel Gelb, Rot, Orange, Grün bei der Auswahl von Tapeten, Teppich und Textilien eine farbenfrohe Atmosphäre schafft. Ganz anders dagegen das Ambiente in der Villa Silva. Hinter der Fassade des roten Blockhauses folgt die Ausstattung dem Namen der Villa: „Silva“ ist Lateinisch und heißt „Wald“. Es sind Braun-, Grau-, Schlamm- und Grüntöne, die dieses Thema aufgreifen und alles dunkler, erdiger, naturnaher erscheinen lassen. Behaglichkeit paart sich mit Eleganz in den zwölf Zimmern und drei Suiten der Villa, die sich moderner und hochwertiger als die Räume des Haupthauses präsentieren.

Doch egal, für welche Wohnvariante sich die Gäste entscheiden – eines ist ihnen gemeinsam: die Begeisterung für die diversen Freizeitangebote in Oberhof, dessen Häuser sich in etwa 860 Metern Höhe auf dem Kamm des Thüringer Waldes verteilen.

Wenn auf den Herbst langsam der Winter folgt und Schnee die Farben der Landschaft verschluckt, ändern sich auch die Interessen der Urlauber. Das Mountainbike bleibt stehen. Und die Wanderschuhe, mit denen auf dem nahen Rennsteig tüchtig Kilometer gemacht wurden, werden gegen Skier eingetauscht.

Wer es weniger aktiv mag, tankt Wärme im hiesigen Erlebnisbad, streift durch Geschäfte mit Thüringer Kunsthandwerk oder macht eine Pferdeschlittenfahrt. Der sportivere Rest wandert durch die weiße Winterwelt oder schnallt sich Bretter unter die Schuhe: Während sich die Alpinfraktion auf Skiern oder Snowboard am Fallbachhang vergnügt, warten auf Langläufer viele Kilometer gespurter Loipen. Für Letztere ist auch die DKB-Skisport-Halle eine Alternative. Anfänger und Geübte können hier bei vier Grad minus auf 10.000 Quadratmetern ihrer Passion nachgehen, und Biathlonfans in der angegliederten Schießhalle ihre Treffsicherheit beweisen. Noch Lust, auf der Rennrodelbahn bei Ice-Rafting oder Ice-Tubing durch den Eiskanal zu kurven? Auch das ist an wettkampf- und trainingsfreien Tagen möglich.

Als willkommene Wohltat mag einem nach Stunden in der Kälte der Wellness- und Spabereich des Berghotels Oberhof erscheinen. 450 Quadratmeter geschmackvollste Verwöhnfläche, die sich ausgiebig Gesundheit und Schönheit widmet. Die Gäste können in verschiedenen Saunen und Dampfbad schwitzen, zu zweit ganz intim in einer Romantik-Spa-Suite abtauchen und die Qual der Wahl einer beeindruckenden Offerte hochwertiger Kosmetikprogramme erleben. Vielleicht darf es ja, auch für den Mann, eine vitalisierende Gesichtsbehandlung sein, eine tibetanische Klopfmassage, ein Rosenbad oder doch lieber eine Packung mit dem Öl von Tannenzapfen?

Verwöhnt und verschönt bleibt da eigentlich nur noch eines: der Besuch im Restaurant, das im zeitlos-schicken Design regionale Akzente setzt, aber auch Leichtes kredenzt und seine Grundkarte durch saisonale Angebote würzt. Da finden Köstlichkeiten wie Steinpilzconsommé, Geschnetzeltes vom Rotwild oder knusprige Entenkeule mit Klößen den Weg von der Küche in den Magen und sorgen, gefolgt von einem Absacker an der Bar, für die rechte Bettschwere.

Diese Reise wurde unterstützt von der Thüringer Tourismus GmbH sowie dem Berghotel Oberhof.