Sri Lanka

In den Ruinen sind die Affen los

Wer Sri Lanka bereist, findet Monumente und wilde Tiere, Strandidylle und archaische Riten

Aufgeregt wedelt der Fahrer mit den Armen. Irgendetwas muss da sein. Dann sehen die Touristen die ersten Elefantenfüße und Rüssel, die sich krachend und trampelnd ihren Weg durchs Dickicht bahnen. Im Osten und Süden Sri Lankas leben schätzungsweise noch 6000 der Dickhäuter. Bekannt für seine große Population ist vor allem der Uda-Walawe-Nationalpark im Süden der südöstlich des indischen Subkontinents liegenden Insel. Aber auch während ihrer Besichtigungstouren zu den uralten Königsstädten Anuradhapura und Polonnaruwa in der Nordhälfte kreuzen immer wieder wilde Elefanten den Weg der Reisenden.

Zwischen Ruinen und Lotusteich sind auch die Affen los – wie im Film fegen Languren und Makaken über liegende Statuen und Säulenteile. Seitdem wieder mehr Ausländer die beiden Tempelstädte aufsuchen, gibt es häufiger Früchte für die Affen, deren Horden deswegen immer größer werden. Was die Gäste freut und ihnen exotische Mensch-Tier-Begegnungen beschert, geht den Einheimischen allerdings auf die Nerven. Allerseits Respekt fordert hingegen ein jagdbereites Krokodil ein, das regungslos in einem Wassergraben nahe der Zitadelle von Polonnaruwa auf Beute lauert.

Am Horizont erhebt sich der steinerne Monolith von Sigiriya über der Savanne – eine geschichtsträchtige Touristenattraktion im Landesinneren, auf der sich Überreste einer Felsenfestung befinden, seit 1982 Unesco-Weltkulturerbe. Auf halber Höhe wartet eine historische Kunst-Attraktion, die die Gäste in Scharen eine stählerne Treppe hinaufkraxeln lässt: die bekannten Felszeichnungen „Wolkenmädchen“, Fresken barbusiger Frauen, die König Kassapa im 5. Jahrhundert nach Christus anfertigen ließ, auch die Festung ließ er einst erbauen.

„Wir sind überglücklich, dass jetzt wieder Besucher aus aller Welt kommen“, freut sich der Fremdenführer Indica. Er kennt die Touristengebiete wie seine Westentasche, nur in den Norden und Osten ist der Singhalese noch nie gekommen. 26 Jahre lang schwelte der Konflikt zwischen singhalesischen Regierungstruppen und den dort ansässigen tamilischen Aufständischen, der im Jahr 2009 blutig beendet wurde.

Jetzt fährt Indica, der viel über diesen Teil seiner Heimat gelesen hat, zum ersten Mal an die Ostküste. Die Strände dort stehen im Ruf, die schönsten Sri Lankas zu sein. Reiseveranstalter bewerben die Region etwas unpassend als unberührt. Auf dem Weg nach Trincomalee, der Hauptstadt der Ostprovinz, winken immer wieder strahlende Menschen dem Touristenbus zu. Heute ist es kaum vorstellbar, dass die Region vor wenigen Jahren noch hart umkämpft war und Zehntausende Menschen von hier vertrieben wurden.

Hotspot exotischer Genüsse

Die Touristen bekommen hier ein ehemaliges Flüchtlingscamp, dort ein neu gebautes Fischerdorf zu sehen, das von der Küste verlegt wurde – letzte Spuren des Bürgerkriegs und des Tsunamis, der diesen Landstreifen Ende 2004 regelrecht überrollte. Sri Lanka vereint auf kleinem Raum (die Insel ist mit 65.000 Quadratkilometern fast so groß wie Bayern) die unterschiedlichsten Landschaftsformen sowie eine reiche Flora und Fauna an Land und unter Wasser. Jenseits der endlosen Palmenstrände umschwärmen Fledermausfische und Drachenköpfe die Korallenriffe vor der Ostküste.

Eine neue Einnahmequelle haben die Ureinwohner, die Veddas, entdeckt. Mit viel Tamtam weihen Stammesvertreter Ausländer in die Jagd- und Fruchtbarkeitsrituale ihrer Urahnen ein. Dem Häuptling ist es vorbehalten, der staunenden Gruppe vorzuführen, wie man mit Steinen ein Feuer entfacht und mit welch wildem Stammestanz die Veddas einst die Elefantenhorden verscheuchten. Am Straßenrand verkaufen Bauern Mangos, Papayas und manchmal exotische Rambutans – die haarigen Verwandten der Litschifrucht sehen aus wie feuerrote Büschel, unter denen sich nach dem Öffnen äußerst schmackhaftes Fruchtfleisch verbirgt. An den Bäumen hängen faustgroße Holz- oder Elefantenäpfel. Ihren Namen verdanken sie der extrem harten Schale. Angeblich kann sie nur von Elefanten geknackt werden – oder mit ähnlichem Kraftaufwand, also etwa wenn Menschen einen Hammer zu Hilfe nehmen.

Sri Lanka ist ein Hotspot exotischer Genüsse und ganz unterschiedlicher Landschaftsformen. Im Süden wechseln sich dichte Monsunwälder mit Lagunen und Savannen ab. Wer in dieser Region unterwegs ist, trifft auf Wildschweine und Sambar-Hirsche, die am frühen Abend aktiv werden, sobald die Sonne Felder, Sümpfe und Wälder in warmes Licht gehüllt hat.

Auf der Tropeninsel leben die Stars des Dschungels ganz nah beieinander. Zwischen Regenwald, Bananenplantage und Urwaldtempel bekommen Rundreisende immer wieder Affen vor ihre Linse. Ein beliebtes Schnappschussobjekt sind die Ceylon-Hutaffen, die wie Früchte an den Bäumen hängen. Kaum mit dem Objektiv einzufangen, aber umso possierlicher anzusehen, sind die rund um Hotelanlagen sehr verbreiteten Streifenhörnchen, wenn sie blitzschnell von Gebälk zu Geäst jagen.

Ein Jeep-Ausflug ins Wildreservat lohnt auch wegen der Lippenbären, Stachelschweine und Pfauen, die manchmal am Wegesrand ihr schillerndes Gefieder zur Schau stellen. Und natürlich wegen der vielen Elefanten, die sich den Reisenden gelegentlich mit ihrem halbstarken Nachwuchs präsentieren. Die Reise wurde unterstützt von SKR Reisen und Sri Lankan Airlines.