Schwarzwald

Sanfte Steigungen, kurze Pisten – Familienvergnügen im Schnee

Todtnauberg im Schwarzwald ist ganz auf Eltern und Kinder eingestellt. Das Dorf ist ein guter Ort, um Skifahren zu lernen

Der Wind bläst kalt von schräg oben. Ich blicke zu meiner Tochter. Das Wetter scheint ihr nichts auszumachen. Juchzend gleitet sie auf ihren Skiern in die Arme ihrer Skilehrerin, dann winkt sie fröhlich. Ich blicke auf die verkeilten Skier an meinen Füßen. Doch aufgeben kommt nicht in Frage. Es ist ein Wettstreit: klein gegen groß, Kind gegen Erwachsene, jung gegen - nicht ganz so alt. Kann man mit Mitte 30 noch Skifahren lernen? Oder muss man mit fünf anfangen, wie mein Kind?

Um das herauszufinden, sind wir in das Dorf Todtnauberg im Südschwarzwald gereist. 700 Menschen wohnen hier in einem Hochtal in rund 1000 Metern Höhe. Todtnauberg ist einer von rund 40 Orten in Baden-Württemberg, die von der Tourismus Marketing GmbH und vom Hotel- und Gaststättenverband beim Wettbewerb „Familien-Ferien“ ausgezeichnet wurden: Seine Infrastruktur und die Urlaubsangebote sind ganz auf Reisende mit Kindern ausgelegt.

Am Buck, einer Anhöhe am Rande des Ortes, stehen wir zum ersten Mal auf den Brettern. „Hier ist die Steigung nicht groß und die Pisten nicht allzu weit“, sagt Alex Schubnell, der am Hang eine Skischule betreibt. Es gibt ein rund 100 Meter langes Förderband, den „Zauberteppich“, der kleine Skifahrer und Rodler den Berg hoch befördert, dazu einen Skiverleih, der Kinderequipment bereithält und geschultes Personal, das kleinen Wintersportlern beim Ein- und Aussteigen am Lift hilft.

Kinder sind weniger ängstlich

Um mir einen Vorteil im Mutter-Kind-Wettbewerb zu verschaffen, beobachte ich den Kinderskikurs eine Weile, bevor mein eigener Unterricht beginnt. Karin Matthes, eine Frau mit feuerrotem Haar, hockt vor fünf Schützlingen im Alter von vier bis sechs Jahren und gibt ihnen Tipps: Sie sollen „wie Elefanten“ seitlich über den Teppich stampfen, um den Hügel hoch zu kommen. Mit den Skiern ein „Hausdach“ oder ein „Pizzastück“ formen, um zu bremsen. Und sich mit seitlich ausgestreckten Armen „wie ein Flugzeug“ gleiten lassen. „Ihre Tochter lernt bestimmt schneller Skifahren als Sie“, erklärt Matthes. Wer jung ist, sei weniger ängstlich. „Außerdem stehen Kinder viel mehr mit ihrem Körper in Kontakt, während Erwachsene eher kopfgesteuert an die Sache rangehen und sich schnell verspannen.“ Um diesen Vorteil wettzumachen, nehme ich Einzelunterricht bei Stefan, einem 27-jährigen Skilehrer, der bereits seit seinem dritten Lebensjahr auf Brettern steht. Im Prinzip lerne ich dasselbe wie meine Tochter – allerdings ohne Teppiche als Aufstiegshilfe. Nach nur kurzer Zeit fühle ich schon die Anspannung in meinen Muskeln. „Was wird mir heute Abend alles weh tun?“, will ich von meinem Lehrer wissen. „Alles“, sagt Stefan.

Ein Grund, sich nach dem Skikurs erst mal auszuruhen und zu stärken. Dazu fahren wir zum Berggasthof Stübenwasen, der etwa vier Kilometer nordöstlich von Todtnauberg zwischen schneebedeckten Bäumen steht. Rund um den Gasthof verlaufen Loipen für Langläufer, Wege für Winterspaziergänger sowie Pfade für Schneeschuhwanderer. Die Sportler werden bei gutem Wetter nicht nur mit süßen Torten, sondern auch mit einem herrlichen Ausblick belohnt. Dunkel heben sich die Bäume des Schwarzwalds vor den Bergen ab. In der Ferne ragen die Gipfel der Alpen empor, im Westen die Vogesen.

Meinem Kind ist die Aussicht egal. Es fordert: „Mehr Schnee.“ Also leihen wir uns Poporutscher und Schlitten aus und rodeln den Hügel gleich hinter dem Haus hinunter. Abends im Bett fühle ich meine Glieder. Meine Tochter spürt nichts. Eins zu null für sie. Am nächsten Morgen liegen 20 Zentimeter Neuschnee: Das sind perfekte Bedingungen für eine Schneeschuhwanderung, bevor am Nachmittag unser Skikurs weitergeht. Wir wollen einen Erlebnispfad erkunden, der sich 2,4Kilometer lang durch den Wald schlängelt und extra für Familien angelegt wurde. An Erlebnisstationen erschnuppern wir Lavendelduft, messen uns im Schneeballwerfen, und mit einem hängenden Ledersack kegeln wir Tannenzapfen in den Schnee.

Rodeln bis in die Dunkelheit

Drei Stunden später ist der Enthusiasmus meiner Tochter wieder gedämpft. Ein gutes Dutzend Mal ist sie im Schnee gelandet und bei der „Tunnelübung“ zweimal an ihrer Skilehrerin vorbeigeschlittert, statt durch deren Beine zu sausen. Weinerlich setzt sie sich auf den Boden und jammert: „Ich kann das nicht.“

Karin Matthes ist bestens auf solche Situationen vorbereitet. Rasch zieht sie ein Päckchen Gummibärchen aus ihrer Jackentasche und trocknet die Tränen des Kindes. Schon ein paar Minuten später lacht meine Tochter wieder, als sie gemeinsam mit ihrer Skilehrerin den Abhang runterfährt. Am Ende der Stunde gelingt es ihr, auf Skiern eine Kurve zu schlagen. Dennoch steht es bei unserem Wettbewerb jetzt 1:1 – trotz meines Muskelkaters bin ich nur zweimal in den Schnee gefallen und habe nicht einmal gejammert, als ich wiederholt in meinen Skilehrer hineingefahren bin.

Am Ende der letzten Skistunde bewältigt die Tochter eine Strecke von rund acht Metern. Ich gleite tatsächlich einen Hügel von knapp 110 Metern hinab. Das verrate ich meiner Tochter aber nicht. Sie ist stolz auf ihren Erfolg. Zum Schluss schnappen wir uns einen Schlitten und rodeln bis in die Dunkelheit hinein, weil ein Flutlicht den Hang hell erleuchtet. Unser Wettkampf ist längst vergessen. Wir rodeln so lange, bis wir erschöpft und durchnässt am Hang liegen bleiben und Schneeengel-Abdrücke in der weißen Pracht hinterlassen.