Thüringen

Auch Erfurt wartet auf den Papst

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Roland Mischke

Der Songwriter Clueso, mit bürgerlichem Namen Thomas Hübner, ist längst mehr als nur eine lokale Erfurter Hip-Hop-Größe. Er erhielt Gold- und Platin-Schallplatten, mit seinem neuen Album "An und für sich" ist er in den Verkaufscharts ganz oben. Und seine Popularität nutzt Clueso, um für "Ärfod", wie alle Erfurter sagen, zu werben.

Gerade jetzt, wo der Papstbesuch ansteht. Der Heilige Vater wird am 23. und 24. September in der Stadt sein und auf dem Domplatz mit 28 000 Menschen einen Gottesdienst feiern. Clueso ist zwar kein Katholik, aber auf das Kommen von Benedikt XVI. freut er sich wie die meisten Erfurter - nur dass sie es nicht so oft in den Medien sagen können wie Clueso.

Einst galt Erfurt als "Thüringisches Rom" und hatte im Mittelalter 90 Kirchtürme, übrig geblieben sind 23 Türme. Und auch die Zahl der Katholiken ist heute deutlich geringer; nach Auskunft des Bistums Erfurt leben in der 200 000-Einwohner-Stadt knapp 14 000 Katholiken. Die Zahl der Protestanten ist mit 28 000 doppelt so hoch. So fragen sich viele, warum Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch ausgerechnet nach Erfurt geht, in eine Stadt, die seit der Reformation protestantisch und heute eher säkular geprägt ist. Insider sagen, mit der Wahl Erfurts wolle der Papst die Ökumene stärken, das Miteinander der Kirchen.

Im ehemaligen Augustinerkloster wird er im Kapitelsaal am 23. September mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammentreffen. Geplant ist ein halbstündiges Gespräch mit dem Vorsitzenden des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider. Mit ihm und 300 geladenen Gästen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, feiert der Papst im Anschluss einen ökumenischen Wortgottesdienst in der Kirche des Augustinerklosters. Martin Luther hatte dort vor mehr als 500 Jahren sein Gelübde als Mönch abgelegt, das er später brach. Frühere Päpste mieden die Protestanten deshalb, Benedikt XVI. geht auf sie zu. Er ist der erste Papst, der das Bistum besucht.

Papst Benedikt XVI. und seine Delegation landen am 23. September um 10.45 Uhr auf dem Flughafen Erfurt, von dort aus geht es weiter auf den Domberg - allerdings aus Sicherheitsgründen nicht im Papamobil. In Sichtweite des Erfurter Doms wird der Pontifex übernachten, im Regional-Priesterseminar während seines Besuches wohnen. Das unscheinbare Haus in der Holzheienstraße wurde 1952 eröffnet. Es beherbergt heute 27 Priesterkandidaten, und in der Kapelle des Priesterseminars finden täglich drei Gottesdienste statt. Auch der Papst wird hier während seines Aufenthalts beten.

Nur am Samstagmorgen, vor der Eucharistiefeier um 9 Uhr, wird Benedikt XVI. mit dem Papamobil über den Domplatz fahren. Bereits um 4 Uhr wird der Platz für die Pilger geöffnet, ab 6 Uhr stimmen Chöre die Besucher auf den Gottesdienst ein. Zwar gibt es für die Messe am 24. September auf dem Domplatz keine Eintrittskarten mehr, eine interessante Alternative sind jedoch mehrere Public-Viewing-Möglichkeiten, darunter der Beethovenplatz am Landtag und der Campus der Universität Erfurt (Öffnungszeiten: 23. September von 10 bis 20 Uhr und 24. September von 6 bis 15 Uhr, Karten unter www.papst-in-deutschland.de ). An den Public-Viewing-Standorten werden unter anderem die Marienvesper in Etzelsbach sowie die Eucharistiefeier auf dem Domplatz übertragen.

Für eine Stadtbesichtigung bleibt dem Papst keine Zeit. Für Pilger lohnt sich ein Rundgang: Den Erfurter Anger, damals größter Umschlagplatz Mitteleuropas, flankieren stolze Bürgerhäuser. Das im Jahr 742 erstmals beurkundete Erfurt war so etwas wie der Basar Mitteldeutschlands. Es gab den Salz-, Käse- und Kohlemarkt, Rüben-, Korn- und Fischmarkt, Töpfermarkt und den Weydtmarkt. Über 400 Jahre lang fuhren an Markttagen bis zu 300 Pferdefuhrwerke aus allen deutschen Landen ein. Von der Epoche des wirtschaftlichen Booms zeugt noch die 1175 erstmals erwähnte Krämerbrücke - es ist eine Art Luxusmeile des Mittelalters, beidseitig mit Häusern und Läden bebaut. 120 Meter lang und 18 Meter breit, ist sie eine der schönsten Brücken nördlich der Alpen. Einst war sie Teil der Handelsroute, die vom Rhein nach Russland führte. Der Papst hat für die zweite Station seiner Deutschlandreise tatsächlich eine sehr gute Wahl getroffen.

Auskunft Erfurt Tourismus, Tel. 0361/664 00, www.erfurt-tourismus.de , www.thueringen-tourismus.de . Thüringen Tourismus unterstützte die Reise.