Ibiza

Sonnige Tage auf Tagomago

Wenn Cristiano Ronaldo, teuerster Fußballspieler aller Zeiten (93 Millionen Euro Ablösesumme), eine Privatinsel mietet, hat das Gründe. Einer davon heißt Irina Shaykhlislamova und ist die Freundin des Weltfußballers von 2008. Ein weiterer: Auch einer wie Ronaldo muss mal dem Trubel des Fußballs, dem Gedränge der Fans und den Zumutungen der Paparazzimeute entgehen, um zu sich zu kommen.

Da hatte er mit Tagomago ein Glückslos gezogen. Niemand hat das Paar dort gestört, zur Luxusvilla, die es buchte, bekam es eine Insel dazu. Und die ist von ganz eigenwilligem Reiz. Denn es ist die letzte Oase auf den in diesem Jahr besonders überfüllten Balearen, die wegen der unbeständigen Lage in Nordafrika zu den touristischen Gewinnern zählen.

Insel der blauen Eidechsen

Matthias Kühn (58) hat Tagomago von der Balearen-Regierung gepachtet, seinen Gast holt er im Helikopter ab. 25 Minuten dauert der Flug, bis sich schroff die einen halben Quadratkilometer große Felseninsel aus dem Meeresdunst schält. Ihre Uferränder bestehen aus unzugänglichen Fels- und Klippenformationen. Ein französischer Bergsteiger habe mal versucht, die Insel illegal vom Wasser her zu erklimmen, amüsiert sich Matthias Kühn. "Am Ende musste der Rettungshubschrauber zur Steilwand fliegen."

Die Bodenerhebungen vom Meeresspiegel schieben sich bis auf 113 Höhenmeter, der Nordosten des Eilands ist von einem Pinienwäldchen bedeckt, der Rest von Buschwerk. Nur an der Bucht können neben dem privaten Anlegeplatz Yachten anlegen. Deren Passagiere, egal ob superreiche Russen oder arabische Scheichs, dürfen sich aber nur auf dem Steg und einem schmalen Weg aufhalten. Dort, wo es hinauf geht zur Insel, gebietet ein Schild mit der Aufschrift "Private" Halt. Die Insel, vor allem bekannt für ihre blauen Eidechsen, ist nicht mehr öffentlich zugänglich wie noch vor Jahren. In Zeiten, in denen Touristen wie Bill Gates, Claudia Schiffer, Paul McCartney und zuletzt Prince William und Kate Middleton für ihre Flitterwochen gezielt insulare Abgeschiedenheit suchen, will man auch auf den Balearen eine entsprechende Offerte anbieten.

Die Meerenge nach Ibiza ist 900 Meter breit, die Insel gehört zum Verwaltungsbezirk Santa Eulària des Riu. In den 70er-Jahren hatten Hippies Tagomago geentert, man ließ sie einige Zeit gewähren. Allerdings kam es durch weggeworfene Zigarettenkippen zu Flächenbränden. Die Insel brauchte Jahre, um sein karges Grün zurückzupäppeln. Matthias Kühn will "Flora und Fauna schützen", deshalb hat er ein generelles Rauchverbot verfügt. Es braucht keinen Qualm, weil "das Staubige" ohnehin da ist, wenn im Sommer die Brise den Sand aufwirbelt und übers Eiland kreiseln lässt.

Die Rotoren des Hubschraubers rattern bei der Landung auf dem Plateau. Nach dem Abschalten umfängt sofort Stille den Besucher. Der Atem wird ruhiger, die Pupillen weiten sich. Tagomago gehört zum Netzwerk europäischer Naturparke und ist als besonders wertvoll gelistet. Von der Insel hat man den schönsten Blick auf Ibiza, die Stadt Eulària zeigt ihre kalkweißen Häuser, dahinter verschanzt sich - 24 Kilometer entfernt - Ibiza-Stadt mit pausenlosem Partyrummel. Ronaldo und Irina haben sich dort nicht unter die Internationale der Feiernden begeben. Bis nach Mallorca sind es dagegen 70 Seemeilen, bei guter Witterung kann man dennoch die Insel sichten. Ringsherum leuchten helle Lagunen im Wasser. Es ist ruhig. Nur die Möwen kreischen wie aufgezogen. Angeblich gibt es 150 Tierarten auf dem Eiland, "doch ich habe bisher nur Karnickel und Eidechsen gesehen, einige davon sind wirklich blau", sagt der blonde Hamburger. Kühn, seit 24 Jahren auf den Balearen, weiß: "Nirgendwo im Archipel gibt es noch ein solches Paradies für die Vogelwelt." Die Kehrseite der Medaille: Ihre Ausscheidungen verklecksen große Teile Tagomagos.

Bizarre Malereien im Fels

Ein roher Diamant ist die Insel, ungeschliffen, herb. Geologen sagen, in grauer Vorzeit sei sie aus geologischen Verwerfungen entstanden. Die Felswände sind komplett unterschiedlich zu denen anderer Baleareninseln, verklumpte vielfältige Gesteinsschichten. Biologen fanden im Buschwerk endemische Pflanzen, die nur auf Tagomago wachsen. Schon im 8. Jahrhundert vor Christus sollen Menschen hier gesiedelt haben, sie führten ein hartes Leben, vielleicht hinterließen sie deshalb bizarre Felsmalereien. Tagomago bedeutet "Fels des Mago", und das war der karthagische Feldherr Mago, ein Bruder Hannibals. Die längste Zeit war die Insel aber Piratenversteck, ihre Höhlen voller Beutegut.

1913 wurde der über 20 Meter hohe Leuchtturm an der über dem Meer gelegenen Südostspitze errichtet, ein Referenzpunkt für die Schifffahrt zwischen Ibiza, Mallorca und Barcelona. Der frisch gestrichene Turm mit der Koordinatennummer E-0268 wird automatisch betrieben, nachts betört das Lichtspiel, wenn die Strahlen über Meer und Insel streicheln. Bewirtschafter Kühn betont, dass Mitarbeiter der Leuchtturmgesellschaft nur Durchgangs-, kein Zugangsrecht haben. Mallorcas Immobilienmogul legt Wert darauf, eine Insel zu haben "wie David Copperfield sie im Bahamas-Archipel und Richard Branson mit Necker Island hat. Das exklusivste Resort vor Europas Haustür", verkündet er.

In den 30er-Jahren hatte die Familie Pujol das Eiland erworben, Diktator Franco enteignete sie, weil es im Spanischen Bürgerkrieg zur Verteidigung gegen das Regime diente. Später wurde Tagomago an den Fürsten Emich zu Leiningen aus Amorbach verkauft, der eine Villa im pseudomaurischen Stil errichten ließ. Seine Nachfahren stritten sich, das Anwesen verkam, bis Matthias Kühn zum Zuge kam. Er verwandelte die Villa im Stil des Bauhauses. Als Kühn 2008 erfuhr, dass seine gute Freundin Sabine Christiansen den französischen Luxusunternehmer Norbert Medus heiraten würde, lud er das Paar zum Flittern auf die Insel. Es kam mit Prominenten-Auftrieb und gab ein rauschendes Fest. Die beiden wählten jene der fünf Suiten, in der am Morgen die Sonne durch Vorhänge sanft in den Raum sickert.

"Luxus bedeutet, einen Platz zu haben, an den man sich zurückziehen kann", sagt der Betreiber. Die Villa ist großzügig konzipiert: Eine Flucht mit Abgängen zu den Räumen, in Weiß und Grau gehalten, Möbel von Philippe Starck, Kunst von mallorquinischen Malern an den Wänden. Der Boden aus balearischem Schiefer, der Strom aus Solarenergie. Breite Terrassen, Zeltsegel darüber gegen starkes Sonnenlicht, Gazetücher rund um den geräumigen Pool mit den bunten Liegen, die im Wind flattern. Eine Chillout-Zone.

Es gibt nur ein Stück asphaltierte Straße, von der Villa hinauf zum Leuchtturm. Wir stellen uns vor, wie Irina und Ronaldo Hand in Hand gegangen sind und sich auf der Terrasse oben, die für Hochzeitsfeiern und Barbecues genutzt wird, geküsst haben. Im zum Turm gehörenden Haus, in dem einst der Leuchtturmwärter mit Familie wohnte, will Matthias Kühn ein exklusives Restaurant installieren, eine auf einem Felsen liegende Ruine zum Spa mit offenem Dach umbauen. Der Hotelbetrieb ist klein, aber Maître, Spitzenkoch, Concierge, Bootsführer, Butler und Zimmermädchen umsorgen die Gäste. Whirlpool und Dampfbad stehen zur Verfügung, der Weinkeller ist gut bestückt, und in der warmen Jahreszeit sind Himmelbetten im Boden verankert. "Das Gesamtnutzungskonzept Tagomago soll stimmen", sagt Kühn, der es mit dem Inselrat, der die Insel nur von Stippvisiten kennt, nicht immer leicht hat. Lebensgefährtin Norma Duval, eine spanienweit bekannte Schauspielerin, flankiert seine Bemühungen mit Charme und Temperament. Manchmal joggt das Paar auf dem 1,5 Kilometer langen Parcours, einem Trampelpfad.

Die Villa auf Tagomago ist komfortabel ausgestattet mit Designerküche, Lounges, dem besten Hightech-Soundsystem, WLAN und LED-Lichtsystem. Aber das stärkere Erlebnis sind die Pfade, die Anhöhen und Senken im Naturschutzgebiet, 40 Meter tiefes klares Wasser zum Schnorcheln und Tauchen, mit dem Jetski über die Wellen brettern. Matthias Kühn will die Insel in der regen- und wolkenarmen Zone ganzjährig anbieten. Das wird auch dem Labrador Pluto gefallen, der als größtes Tier auf Tagomago fröhlich jault und mit dem Schwanz wedelt, wenn neuer Besuch kommt.

Die Reise wurde unterstützt von Kühn & Partner und dem Dorint Hotel Camp de Mar.