Internet

Wer flexibel ist, bucht im Netz

Einfach in Bombay bei jemandem auf der Couch pennen? Oder in Lissabon gleich in das Restaurant in der Altstadt spazieren, das gerade angesagt ist? All das ist kein Problem mehr - dem Web 2.0 und sozialen Netzwerken sei Dank. Der Siegeszug der modernen Technik führt aber nicht dazu, dass der gute alte Pauschalurlaub ausstirbt.

"Natürlich kann sich jeder seine Reise komplett selbst zusammenstellen. Das kostet aber Zeit", sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). Die Reisebüroberatung sei schneller als die Suche im Netz. Außerdem bieten Veranstalter ihren Kunden Sicherheit: "Wenn zum Beispiel mein Flug ausfällt, muss ich mich nicht selbst darum kümmern, das Geld für die Übernachtung vom Hotel wiederzubekommen." Alles aus einer Hand bedeutet weniger Risiko - alles selbst zu machen mehr Unabhängigkeit.

Wohin soll es gehen?

Viele Reisende brauchen dazu heute nicht mehr den Rat aus dem Reisebüro. Sie setzen lieber auf Tausende von Erfahrungsberichten auf Websites wie Tripadvisor.de . Auf Facebook besprechen Nutzer ohnehin alles, was sie in ihrem Leben interessiert. Fotoalben auf Flickr wecken Fernweh, in der Online-Community kommen viele Bilder weniger hochglanzpoliert daher als in Reisebroschüren.

Wo übernachten?

Die Plattform Couchsurfing.org liefert die soziale Alternative zum Hotel. Darüber kann der User aus Bochum herausfinden, wer in Rio gerade ein Schlafsofa frei hat. Das Übernachten bei Pedro zu Hause ist vielleicht mehr "interkultureller Austausch", als es die Erlebnisreiseanbieter in ihren Katalogen versprechen. Wer sich nicht gern in fremden Federn bettet, der kann auch auf Internetportalen wie Trivago.de oder Bettenjagd.de eine preiswerte Bleibe suchen.

Wie von A nach B?

Ihre Flüge buchen viele Deutschen längst online, Suchmaschinen wie Swoodoo.de finden die günstigste Verbindung. Einen Mietwagen übers Netz zu ordern ist mit wenigen Mausklicks erledigt. Und wer sich zum Beispiel in Nairobi orientieren oder von Kapstadt nach Namibia kommen will, kann auf Google Maps nachschauen. Dutzende Metro-Streckennetze aus aller Welt hat Urbanrail.net parat.

Was erleben?

Der Reisebegleiter, der vor dem Taj Mahal über Indiens Geschichte referiert, war gestern - auf Rentalocalfriend.com finden Reisende selbst einen ortskundigen Führer. Wer Einheimischen mehr vertraut als dem Reiseführer, schaut auf Spottedbylocals.com vorbei. Die hippsten Plätze in bislang 33 europäischen Metropolen, darunter auch Berlin, empfehlen dort Menschen, die in der jeweiligen Stadt leben. Von Umrechnungskursen über Shopping-Rabatte bis zu öffentlichen Toiletten auf Thebathroomdiaries.com : Es gibt fast keine Information, die es im Netz nicht gibt. "Es geht um eine gesellschaftliche Veränderung", sagt Michael Buller, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR). "Der Kunde emanzipiert sich."

Das Smartphone als Reisebüro?

Das Internet ist aber nicht nur sozial, sondern auch mobil. Die Lufthansa zum Beispiel hat bereits 3,5 Millionen mobile Bordkarten via Smartphone-App verkauft. "Location based services" wie Foursquare oder Facebook Places - ortsgebundene Dienste per Handy - sollen das nächste große Ding sein. Mit ihnen erfährt der Reisende bald auf jeder Insel vor Thailand, in welchem Restaurant um die Ecke es anderen Nutzern am besten geschmeckt hat. Wird das Smartphone damit zum tragbaren Reisebüro? Software dafür gibt es schon jetzt, sie auf Auslandsreisen zu nutzen, kann sich wegen hoher Roamingkosten aber noch kaum jemand leisten. Das dürfte allerdings anders werden. Schon jetzt gibt es Travel-SIM-Karten zur Kostenersparnis. Sinkende Preise in der Telekommunikation könnten nicht nur internationale Anrufe, sondern auch weltweites Surfen verbilligen.

Laut IT-Verband Bitkom haben bereits 31 Millionen Deutsche eine Reise online gebucht. Auffällig ist, dass die Zahlen in den vergangenen fünf Jahren über alle Altersgruppen hinweg gestiegen sind. Allzu nervös müssen die klassischen Tourismusanbieter nicht werden: Es wird immer den bequemen Urlauber geben, der vom Veranstalter umsorgt werden will. Andere Reisende dagegen haben es dank der modernen Smartphones so einfach wie noch nie, auf eigene Faust die Welt zu entdecken - alles, was sie dazu wissen müssen, steckt in ihrer Jackentasche.