Segeln - So ist das erste Mal

Alles schwankt. Der Tisch, der Stuhl, die Wände, ja selbst das Bett, das in einer Altstadtwohnung in Palma de Mallorca steht, kletterte heute Nacht mit mir - behäbig wie ein Walroß - auf einen bauchnabelhohen Wellenkamm und wogte dann wieder hinunter.

Alles schwankt. Der Tisch, der Stuhl, die Wände, ja selbst das Bett, das in einer Altstadtwohnung in Palma de Mallorca steht, kletterte heute Nacht mit mir - behäbig wie ein Walroß - auf einen bauchnabelhohen Wellenkamm und wogte dann wieder hinunter. Immer und immer wieder. Eine ganze Nacht lang, manchmal auch noch den nächsten Tag, trägt man das Meer nach einem Segeltörn noch in sich. Fühlt, schmeckt und sieht es, wie es fließt, wiegt und schaukelt. Blaue Massen mit weißen Schaumkrönchen, die sich langsam überschlagen, das Boot necken, tragen, heben, umfassen.

Segeln ist mehr als eine Art zu Reisen. Segeln ist ein Zustand, an den sich der Körper, die Organe, die Sinne derart gewöhnen, daß man wieder an Land die Erde als hart empfindet, eckig, begrenzt und irgendwie unrhythmisch. Dann fühlt man "el mar de tierra". Das Landmeer, wie die Spanier die Seekrankheit an Land nennen. Es ist die wohl körperlichste Erscheinung, die man mitnimmt nach einem Segeltörn.

Eine andere ist das Gefühl, ganz weit weg gewesen zu sein. Außerhalb der Zeit und des Raumes. Auf einem anderen Planeten vielleicht. Allerdings mit Tuchfühlung zur Erde. In unserem Fall zumindest. Als - noch nicht wirkliche - Segelratten ließen wir sie in Form einer sich wandelnden Silhouette nicht aus den Augen.

Unsere Erde heißt Mallorca. Meist lag die Insel oder besser gesagt Teile ihrer 555 Kilometer langen Küste hinter einem feingewebten Schleier verdampfter Wassermoleküle, hob und senkte sich wie eine uns treu bleibende Möwe.

Gelber Sandstein, dahinter Bergketten, die mit blaugrünen Teppichen aus Pinien und Büschen übersät sind, Tupfer und Flecken menschlicher Siedlungen, Buchten mit gelben Sandsäumen, zackig angeordnete Sporthäfen, Landzungen und Vorinseln, alte Wachtürme mit abgeschlagenen Köpfen und weiß getünchte, schlanke Leuchttürme. Und über uns der immer blaue, manchmal etwas schlierige Himmel.

Und natürlich der Wind. Auch den lernt man eigentlich erst beim Segeln kennen. Gut, vielleicht auch beim Fliegen. Aber ist Segeln nicht eigentlich eine Art Fliegen? Am direktesten ist er vorne am Bug, dort wo man auf der Spitze des Schiffes einen Meter über dem Meer schwebt, dort steht man einsam zwischen den miteinander kämpfenden Elementen: Wind und Wasser.

Uns hatte sich der Mistral angekündigt, ein Westwind, der manchmal heftige Wellen formt. Aber wie so oft auf Mallorca drehte er sich kurzerhand und schlug uns vom anderen Ufer entgegen. Levante hieß er dann und kam aus dem Osten. Also mußten wir "fieren" (dem Tau nachgeben), ein anderes "bekneifen" (festklemmen) und "halsen" (das Heck in den Wind stellen).

Um der Genua (das kleinere vorderste Segel) dann den Schatten zu nehmen, "refften" (verkleinern) wir das große Segel. Denn je nachdem, wie der Wind sich in die Segel legt, in welchen Winkeln er auf welche Tuchfläche bläst, in welche Widerstände und Strömungen er sich verwickelt, ergibt sich die Kraft, die das Boot nach vorne schiebt. Kurz gesagt, eine höchst komplizierte Geschichte.

Aber dafür gibt es ja Charter mit Skippern. Wir "ruderten" (lenken), "refften" und "luvten" auf Anweisung von Jochen Schulz, Eigner der "First Lady" und Chef vom Sun Charter, bei dem wir angeheuert hatten.

Unsere "First Lady" kam flink auf stolze neun Knoten. Sie, ein Jeanneau-Segelboot vom Typ Sun Odyssee 54, gleicht - Gott sei gedankt - einem Walroß. Mit 54 Fuß, das sind genau 16 Meter und 68 Zentimeter, Länge und knapp fünf Metern Breite passen zehn Kojen in ihren runden Bauch. Wegen dieser üppigen Dimensionen sitzt man auf ihr so sicher wie auf einem wippendem Schaukelpferd.

Jochen Schulz, passionierter Segler, Musiker und Notar, hat Sun Charter mit seiner Frau Ursel Rosendahl-Schulz vor 25 Jahren aufgebaut. Heute sind sie der größte deutschsprachige Segelcharter im Mittelmeerraum. Mit 90 Booten einschließlich zwei Katamaranen stehen sie an vier Stationen. Neben Palma auf den Inseln Elba und Korfu sowie in Marmaris, einer Schnittstelle zwischen der türkischen Ägäis und der türkischen Südküste.

Fragt man den erfahrenen Segler nach dem Charakteristikum für Mallorca, sagt er "vielseitig und komfortabel". Mallorca bietet auch für Wassertouristen die beste Infrastruktur, hochgradig ausgestattete Häfen und zahlreiche schöne Ankerbuchten und Touren, die man selbst zusammenstellen kann.

Auf den Balearen, dazu gehören bekanntlich noch die Nachbarinseln Ibiza, Menorca und Formentera, gibt es 80 Charterunternehmen, und jedes Jahr kommen laut Regierungsstatistik etwa 56 000 Nautiktouristen, davon sind mehr als 50 Prozent Deutsche. Ein Urlaub, der sicher nicht ganz billig ist, aber eben auch etwas ganz Besonderes ist.

Diese Reise wurde unterstützt von Sun Charter.