Kulturschätze im Kraichgau

"Land der 1000 Hügel" nennt sich das handliche Landschaftspäckchen zwischen Schwarzwald und Odenwald, zwischen Rheinebene und Neckartal.

"Land der 1000 Hügel" nennt sich das handliche Landschaftspäckchen zwischen Schwarzwald und Odenwald, zwischen Rheinebene und Neckartal. Wiesen in den Talauen und Wald auf den Kuppen, im Herbst Wein an den Hängen, hineingestreut die Fachwerkstädtchen, Schlösser und Burgen. Klingt nach "Glück im Winkel", nach Behaglichkeit. Wen wundert es da, dass der Kraichgau das "Land des Biedermeiers" ist, denn der Ur-Biedermeier Samuel Friedrich Sauter, Schulmeister und Poet dazu, stammt aus dem Weiler Flehingen und brachte viel Gereimtes und Ungereimtes zu Papier, darunter das Lied "vom armen Dorfschulmeisterlein". Behaglich ist's noch immer, aber keineswegs verschlafen - wie eine überraschend muntere Kunstszene beweist!

Zum Beispiel Güglingen im idyllischen Tal der Zaber. Kunstfreunde, die ahnungslos ins Dorf einfahren, reiben sich bald ungläubig die Augen: Den kleinen, rundum sanierten Winzerort schmücken rund 50 moderne, hochkarätige Skulpturen und Grafiken von namhaften Künstlern wie Horst Antes oder Lude Döring. Die rührige Bürgerstiftung "Kunst für Güglingen" hat da Erstaunliches auf die Beine gestellt.

Grund zum Staunen auf Schritt und Tritt ebenfalls in Bietigheim: Zwischen Fachwerk und Renaissance stehen moderne Kunstwerke gleich dutzendweise. Unübersehbar ragt mit stolzen elf Metern der "Turm der grauen Pferde" von Jürgen Goertz empor, faszinierend auch die 300 Fassaden-Medaillons an der Villa Visconti. Und die Hölderlinstadt Lauffen am Neckar hat ihrem großen Sohn mit einem echten "Hingucker" ein ungewöhnliches Denkmal gesetzt: Die himmelsstürmende Metallskulptur "Hölderlin im Kreisverkehr" sorgt für Diskussionsstoff.

Ein Hauch von geheimnisumwittertem Mittelalter liegt im Städtchen Knittlingen bei Bretten. Hier nämlich soll der historische Doktor Johannes Faustus geboren sein. Im prächtigen Fachwerkbau am Kirchplatz sind Faust-Museum und Faust-Archiv untergebracht. Dass sich um den geheimnisvollen Magier, der selbst den Pakt mit dem Teufel nicht scheute, unzählige Legenden ranken, verwundert nicht. Auch die frommen Herren des Klosters Maulbronn sollen den Magister Faust gerufen haben. Sie hofften auf dessen Zauberkünste, um mit dem so gewonnenen Gold die Kasse des arm gewordenen Klosters aufzufüllen. Es war vergebliche Liebesmüh'!

Wie durch ein Wunder hat die mittelalterliche Anlage des Klosters Maulbronn die unruhigen Zeiten bis heute nahezu unverändert überdauert. "Wer das Kloster besuchen will, tritt durch ein malerisches, die hohe Mauer öffnendes Tor auf einen weiten und sehr stillen Platz", schrieb Hermann Hesse, der hier einige Zeit das evangelisch-theologische Seminar besuchte. So ist es auch heute noch. Wie in alten Zeiten wächst am einst zum Kloster gehörenden "Eilfinger Berg" ein Spitzenwein, den kann man bestens vor Ort in der historischen "Klosterschmiede" verkosten.