Kommentar

Grexit? Hopp oder top

Wer hat sich in den vergangenen Wochen nicht alles den Kopf über Griechenland zerbrochen?

Europas Finanzminister haben immer wieder getagt, die Staats- und Regierungschefs beraten, die Spitzen des IWF und der Europäischen Zentralbank (EZB) saßen stets mit am Tisch. Hochrangiger geht es nicht. Ergebnisse gab es kaum. Die könnten nun ausgerechnet diejenigen geben, die in dem Spiel lange nur Zuschauer waren: die elf Millionen Griechen. Nachdem sie die politische Unsicherheit monatelang mit bemerkenswerter Geduld ertrugen, scheinen nun die Dämme zu brechen, die Bankschalter werden mehr und mehr gestürmt.

Ein solcher Bankrun ist höchst gefährlich. Er kann das Finanzsystem eines Landes und damit weite Teile der Wirtschaft binnen kurzer Zeit kollabieren lassen. Im Falle Griechenlands allerdings könnte nun der drohende Bankrun wie eine heilsame Schocktherapie wirken. Weil er die Politik in Griechenland wie im Rest Europas endlich zu einer Richtungsentscheidung zwingt.

Die griechische Regierung und auch die Euro-Staaten haben in den vergangenen Wochen vor allem auf Zeit gespielt. Die einen haben gepokert, die anderen haben sie pokern lassen. Den nötigen Spielraum verschaffte beiden Seiten die EZB, die griechische Banken mit immer höheren Notkrediten über Wasser hielt. Das darf so nicht weitergehen, wenn die Sparer in großem Stil Konten räumen. Unbegrenzte Darlehen an faktisch insolvente Banken würden nicht nur den Regeln der EZB widersprechen, sondern einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands für den Rest Europas immer teurer machen.

Die Zentralbank ist am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen. Das sollte EZB-Präsident Mario Draghi den Staats- und Regierungschefs schnellstens klarmachen. Gleichzeitig sollte man ihm, dem nicht gewählten Technokraten, ersparen, den Stecker selbst ziehen zu müssen. Die wichtigste Entscheidung der Euro-Krise muss die Politik schon selbst treffen – und zwar sehr bald. Entweder Ministerpräsident Alexis Tsipras geht endlich auf die Gläubiger zu, um ein neues Hilfsprogramm zu ermöglichen. Oder aber die Euro-Länder müssen sein Land in die Pleite entlassen. Dank der griechischen Sparer muss es nun heißen: Hopp oder top.