Die Woche im Roten Rathaus

Das Haus der Schande

Die Menschen an der Grunewaldstraße 87 werden vom Bezirk im Stich gelassen

Es ist eine unglaubliche Zahl: Mehr als 300 Polizeieinsätze hat es in den vergangenen vier Monaten im Haus an der Grunewaldstraße 87 in Schöneberg gegeben. In dieser Woche rückte sogar ein Spezialeinsatzkommando (SEK) an, weil es wieder einmal zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen war, Messer gezogen wurden und mit einer Schusswaffe gedroht worden war. Und weil die Berliner SEK-Beamten in einem anderen Einsatz waren, mussten SEK-Männer aus Brandenburg hinzugezogen werden.

In dem Mehrfamilienhaus lebten zeitweise bis zu 200 Roma – in viel zu kleinen Wohnungen, die Toiletten auf halber Treppe oftmals funktionsuntüchtig, die Höfe vermüllt. Man wundert sich, dass es dort überhaupt noch Mieter aushalten.

Der Bezirk, so sagte die zuständige Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne) in dieser Woche zum wiederholten Mal, könne nicht mehr tun. Außer Druck auf den Eigentümer auszuüben, damit dieser die Toiletten oder die Lampen im Hausflur reparieren lässt, den Müll beseitigt. Es gäbe da zwar noch die Möglichkeit einer sogenannten Ersatzvornahme, bei der der Bezirk dann selbst Bauaufträge vergebe, aber das findet die Stadträtin unrealistisch. Man habe das Geld dafür nicht, sagt sie. Und man werde es ja auch nicht vom Eigentümer zurückbekommen.

Die Polizei hat angewiesen, dass kein Funkwagen mehr alleine zur Grunewaldstraße fahren darf. Es ist für die Polizeibeamten zu gefährlich, denn sie könnten von mehreren Bewohnern angegriffen werden. Die Berliner Polizisten haben Ähnliches in den vergangenen Wochen ja auch mehrfach bei Einsätzen auf Kinderspielplätzen erleben dürfen – besser gesagt erleben müssen. Großfamilien aus Rumänien oder Bosnien hatten sich in diesen Fällen zusammengetan und wüste Schlägereien geliefert – und auch die Polizisten angegriffen. Angeblich ist das kein neuer Trend, so die Berliner Polizei, solche Fälle kämen immer wieder vor.

Die Menschen in der Grunewaldstraße, die dort aus ihren Wohnungen auch wegen der günstigen Mieten nicht ausziehen wollen, fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen. Ich kann das Gefühl verstehen, denn inzwischen sind offensichtlich nicht nur viele Wanderarbeiter in dem Gebäude an der Grunewaldstraße untergebracht, sondern auch Kriminelle nutzen diesen Zustand dort aus. Nach Erkenntnissen der Berliner Polizei gehen Frauen aus dem Haus der Prostitution nach. Verantwortlich dafür soll eine arabische Großfamilie sein, die das Haus unter ihrer Kontrolle habe.

Wir Fernsehzuschauer gruseln uns, wenn wir sonntagabends einen „Tatort“ über arabische Großfamilien sehen. Und dann aufmerksam verfolgen, wie hilflos die Polizei ist, wie der Staat, also auch alle anderen Behörden vor solchen arabischen Clans und deren krimineller Energie kapituliert haben. Natürlich ist das alles fiktiv. Wer aber verfolgt, was dort in Schöneberg seit Wochen geschieht, weiß, dass solche Filme die Realität ganz gut abbilden.

Und ich frage mich, was ist das für ein Eigentümer, der solche Zustände an der Grunewaldstraße 87 duldet. Der nicht auf den Bezirk Schöneberg, die verantwortlichen Politiker oder auch auf die Polizei zugeht und versucht, eine Lösung zu finden. Was ist das für ein Eigentümer, der seine Wohnungen immer weiter verkommen lässt? Der zwar mal eine Lampenreparatur im Treppenhaus in Auftrag gibt, dem es aber offensichtlich völlig egal ist, wer in den Wohnungen lebt. Es ist ein Vermieter, dem es um alles geht, aber nicht um das Wohl seiner Mieter.

Es ist eine Schande – für den Eigentümer, aber auch für Berlin.

Lesen Sie morgen: Mamas & Papas – die Familienkolumne von Sandra Garbers und Hajo Schumacher