Kirche

Der Umwelt-Papst

Die neue Enzyklika befasst sich mit einem brisanten Thema. Die wichtigsten Fragen

Die mit Spannung erwartete Enzyklika von Papst Franziskus ist drei Tage vor der geplanten Publikation an die Öffentlichkeit gelangt. Das italienische Magazin „L’Espresso“ veröffentlichte bereits am Montagabend eine 192 Seiten lange Version des Rundschreibens „Laudato si“, in dem es um Umweltschutz und Klimawandel geht. Der Vatikan reagierte erbost. Papstsprecher Federico Lombardi erklärte, es handle sich lediglich um einen vorläufigen Entwurf. Die erste Enzyklika, die Franziskus komplett selbst geschrieben hat, wird am Donnerstag offiziell veröffentlicht. Wie das Magazin vorab an den Entwurf des Rundschreibens gelangt war, blieb zunächst unklar. Die wichtigsten Fragen zu dem Dokument:

Was ist eine Enzyklika?

Eine Enzyklika ist eines der wichtigsten Lehrschreiben der katholischen Kirche. Sie soll als Wegweiser dienen, auch wenn die oft etwas langatmigen Texte kaum komplett gelesen werden. Sie sind aber wichtig für die Interpretation der Schwerpunkte eines Papstes.

Wie kam Franziskus’ erste Enzyklika an?

„Lumen fidei“ („Licht des Glaubens“) handelte von der Bedeutung des Glaubens und trug stark die Handschrift seines Vorgängers Benedikt XVI. Erstmals in der Geschichte hatten zwei Päpste ein solches Werk gemeinsam vollendet. Viele bemängelten, dass der Text Vorbehalte gegen die Aufklärung enthalte.

Worum geht es dieses Mal genau?

Es geht um den Umweltschutz. Der Titel des rund 200 Seiten langen Schreibens lautet: „Laudato si, sulla cura della casa comune“ (Gelobt seist Du – Über die Sorge um unser gemeinsames Haus der Schöpfung). Erwartet wird, dass der Papst argumentiert, dass vor allem ärmere Länder unter den Folgen der Umweltzerstörung leiden und dass jeder Mensch die Schöpfung schützen muss. „Der Papst wird auch bei diesem Thema die Verantwortung der Kirche, Anwältin für die Armen zu sein, wahrnehmen“, so Marianne Heimbach-Steins, Professorin für Christliche Sozialwissenschaften in Münster.

Wie viel Einfluss kann so ein Schreiben auf politische Entscheidungen haben?

Mit Spannung wird erwartet, wie politisch sich der Papst äußern und wen er konkret kritisieren wird. „Die Stimme des Papstes wird weltweit gehört“, sagt Heimbach-Steins. „Der Papst will mit der Enzyklika ausdrücklich einen Beitrag zur Weltklimakonferenz in Paris Ende dieses Jahres leisten. Seine Stimme wird für viele eine Ermutigung sein, ihrerseits politisch aktiv zu werden oder zu bleiben.“ Umweltverbände äußerten sich schon nach dem veröffentlichten Entwurf positiv.

Warum gibt es bereits jetzt so viel Kritik an dem Schreiben?

Schon oft wurde Franziskus angekreidet, dass er sich zu sehr in politische Geschäfte einmische. Weil er Auswüchse des Kapitalismus angeprangert hatte, bezeichneten ihn Kritiker als Marxist. Wenn er nun den Umweltschutz in den Fokus stellt, könnte er der Öko-Papst werden. „Es gibt jetzt schon Stimmen, die dem Papst – übrigens mit zweifelhaften Argumenten – die Kompetenz absprechen, zu den brisanten Fragen etwas zu sagen“, sagt Heimbach-Steins. Vor allem in den USA hat die Enzyklika konservative Kritiker auf den Plan gerufen, die bezweifeln, dass der Klimawandel menschengemacht ist oder überhaupt existiert.