Leserbriefe

„Anschaulich informiert über den Schlossneubau“

Zum Artikel: „Das ist hier überwältigend“ vom 14. Juni

Bei meiner eher zufälligen Besichtigung des Rohbaus des neuen Berliner Stadtschlosses fiel mir Ihre Sonderbeilage in die Hände. Die fand ich ausnehmend informativ und nicht zuletzt wegen der 3D-Zeichnung des geplanten Humboldtforums auch sehr anschaulich. Bei Gesprächen mit Beteiligten am Schlossneubau wurde mir bewusst, wie wenig ich von der Geschichte der historischen Mitte Berlins, der des Stadtschlosses und der um den Neubau des Stadtschlosses wusste. Da meine Zeit nicht ausreichte, meine entflammte Neugier vor Ort bei meiner Besichtigung zu befriedigen, habe ich am Sonntag ausführlich Ihre Sonderbeilage gelesen. Dank Ihrer Beilage denke ich, dass ich nun deutlich mehr zum Thema Stadtschloss weiß, dass ich meine Meinung, meine Einstellung zu Schloss und Humboldtforum auf deutlich umfangreicheres Wissen stützen kann. Was ich in der Beilage vermisse, ist eine kritische, zumindest aber kontroverse Diskussion zum Bau selbst und zu den geplanten Nutzungen. Offenbar scheint sich die frühere Kritik bezüglich des Schlosses, des Gebäudes und des Baus selbst nun eher hinverlagert zu haben zu einer Kritik am Nutzungskonzept des Humboldtforums. Da ich von Ihnen nur die Sonderbeilage lesen konnte, will ich gerne annehmen, dass eben diese kritische und kontroverse Auseinandersetzung in Ihrer Zeitung stattfand und -findet und die Sonderbeilage nur der Information zu Schlossneubau und Humboldtforum dienen soll.

Volker Schmidt, Charlottenburg

Wie viele so dringend erforderliche Stellen für Kindergärtnerinnen und Sozialarbeiter könnte man mit dem Geld finanzieren, das in den Neubau des Stadtschlosses fließt. Dieses Schloss steht doch für die autoritär-militaristische Vergangenheit Deutschlands. Auch gibt es in Berlin genug Museen und Diskussionsforen. Sinnvoller und billiger wäre es gewesen, einen schönen Park für die Bewohner der Hauptstadt anzulegen. Wo einst die Despoten residierten, hätten dann Kinder herumtollen und Liebespaare im Gras liegen können.

Christian Fuchs, per E-Mail

Überflüssiger Wettbewerb zur Gestaltung des Schlossumfeldes

Zum Artikel: „Die Wunschliste des Schlossherrn“ vom 29. Mai

Schon der Wettbewerb zur Gestaltung des Schlossumfeldes war überflüssig, dessen belangloses Ergebnis ist ärgerlich. Laut Wilhelm von Boddien „eine leere, steril steinerne Fläche“ statt der einstigen, den Geländeabfall kaschierenden Lustgartenterrasse mit ihrem eindrucksvollen Skulpturenschmuck als raffinierter Übergang zwischen Lustgarten und Schlossfassade. Wieso muss überhaupt diskutiert werden, ob die erhaltenen Großplastiken aus der unmittelbaren Umgebung des Schlosses wieder an ihre Stammplätze gehören? Das müsste selbstverständlich sein. Dazu gehören insbesondere die Rossebändiger-Gruppen, die an der Schlossterrasse in Korrespondenz zur Amazone und dem Löwentöter vor dem Alten Museum standen, ebenso wie der für seinen Standort vor der südlichen Schlossfassade von Begas konzipierte Neptunbrunnen. Sie waren Teil eines historisch gewachsenen, durchdachten und harmonischen Ensembles, das sich auf alten Bildern eindrucksvoll bewundern lässt – und wo man sicher sein kann, dass es mit ihnen auch künftig dort wieder schön sein wird.

Jörg Görn, Moabit