Kaufhof

Zuversicht bei Berliner Mitarbeitern

Viele Angestellte der Filiale am Alexanderplatz bleiben gelassen und haben keine Angst um ihre Jobs

Montagmorgen in der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz. Die Kunden – es sind viele ältere Menschen darunter zu dieser frühen Tageszeit – schieben sich vorbei an gefüllten Pralinen-Auslagen, Krawatten und beschichteten Teflon-Pfannen. Vorbei an Toastern und Badvorlegern. Das ebenmäßige leise Rattern der Rolltreppe, das Klackern der Kassen, der Geruch nach Mittagsmenü aus dem Kaufhaus-Restaurant und der Rosenduft eines „Eau de Parfum“: Alles scheint, wie es immer war. Und doch könnte sich für Mitarbeiter und Kunden in dem Traditionswarenhaus bald einiges ändern.

Mit dem Verkauf an den kanadischen Handelskonzern Hudson’s Bay liegt die Zukunft von Kaufhof im Ungewissen. Zu frisch ist noch die Botschaft von der Übernahme, die an diesem Morgen den Mitarbeitern verkündet wurde. Doch die Stimmung bleibt zu Beginn der Woche erst einmal gelassen in der größten Kaufhof-Filiale Berlins und Deutschlands. Die Mitarbeiter haben die Worte von Richard Baker, dem Chef der neuen Eigentümergesellschaft, noch gut im Kopf: Der versprach keine Stellenstreichungen vorzunehmen und für die kommenden drei Jahre auch keines der Häuser zu schließen.

Und so zeigen sich die Verkäuferinnen und Verkäufer am Alexanderplatz kurz nach Bekanntgabe des Besitzerwechsels auch wenig unbeeindruckt. „Da sehe ich keine Probleme“, sagt beispielsweise Sabine Hassmann*, die in der Spielwarenabteilung gerade Plüschbären in die Regale einsortiert. „Eine Übernahme durch Karstadt wäre schlimmer gewesen.“ Sie zuckt mit den Achseln. Bei Kaufhof arbeitet die Familienmutter schon seit über zehn Jahren. „Angst um meinen Job hab’ ich noch nie gehabt.“ Früher nicht. Auch jetzt nicht.

Kaufhof, das stand lange Zeit für solide deutsche Kaufmannstradition. Ein Handelshaus, das wie Karstadt und Hertie schon die Großeltern mit Haushaltswaren, Hosen und Handtaschen versorgte. 1879, mitten in der Gründerzeit, eröffnete Leonhard Tietz das Geschäft in Stralsund: damals noch als 25-Quadratmeter-Laden für Knöpfe, Strick und Stoffe.

„Vielleicht werden wir umräumen“

Das Unternehmen blühte, wuchs an, bis in die 90-Jahre, schluckte den Rivalen Horten, den Elektromarkt Saturn. „Den Entscheidungen unserer Leitung hab’ ich bisher vertraut“, sagt Sabine Hassmann. Auch nachdem seit 2004 die Umsätze von Kaufhof gesunken sind. „Knappe Kassen gibt es ja überall“, sagt sie.

Ein Abstecher in die Stoffabteilung: Nur wenige Kunden verirren sich zu dieser Zeit hierher, stöbern zwischen Bettlaken und Bademänteln. Eine Angestellte wartet an der Infotheke auf interessierte Kunden. Auch hier zeigt sich eine Mitarbeiterin zuversichtlich. „Vielleicht müssen wir jetzt Französisch lernen“, sagt sie mit Blick auf die neuen Eigentümer aus Kanada, wo neben Englisch auch Französisch gesprochen wird. Sie lacht und fügt hinzu: „Ich glaube, der Verkauf an Hudson’s Bay war eine gute Entscheidung.“ Sie macht gerade Bestandsaufnahme bei den Frottéhandtüchern und der Bettwäsche. Das Ringen um den Verkaufsprozess des Kaufhof-Konzerns habe sie nur am Rande mitbekommen. „Wir haben ja selber erst heute von dem Verkauf erfahren.“

Eine ihrer Kolleginnen kommentiert: „Vielleicht werden wir ein bisschen umräumen müssen.“ Vielleicht werden dann die Bademäntel, die sie gerade sortiert, in einem anderen Stockwerk hängen. Vielleicht kommen neue Auflagen für die Abteilungen. Aber „für uns wird sich nicht viel ändern“. Und dann wird sie ein wenig verträumt: „Vielleicht fahren wir ja mal nach Toronto.“

Die kanadische Küstenstadt ist der Firmensitz des neuen Eigentümers. Rund 6500 Kilometer entfernt von der Filiale am Alex. Sechs Etagen fasst das Haus am Alexanderplatz neben dem Fernsehturm. Ob es im aktuellen Zustand erhalten wird, das bleibt abzuwarten. Zumindest unter den Kollegen in der Geschirrabteilung heißt es noch: „Ich glaube nicht, dass sich in den nächsten fünf Jahren was ändert.“

* Name geändert