Unternehmen

Neues wagen in Deutschland

Kaufhof: Der kanadische Besitzer will der deutschen Warenhauskette Glamour verleihen und den Angestellten Aktienpakete anbieten

„Gute Unterhaltung im Kaufhof“ – so könnte künftig die Grußformel lauten, wenn die Mitarbeiter ihre Kunden in den Warenhäusern unter ihrem neuen Eigentümer Hudson’s Bay Company (HBC) willkommen heißen. Ware in Regale legen und warten, bis Kunden kommen, funktioniert schon lange nicht mehr. Die Kanadier wollen noch einen Schritt weiter gehen. Ihr Konzept basiere „auf einer Kundenerfahrung ähnlich wie in der Unterhaltungsbranche“, sagte Konzernchef Richard Baker am Montag in Köln bei der Bekanntgabe der Übernahme von der bisherigen Eigentümerin Metro.

Ob Warenhäuser nach langer Vernachlässigung wieder zu Einkaufsmagneten werden – das wird sich zeigen müssen. Sicher ist indes, dass der Einstieg der Kanadier den Warenhaussektor auf viele Jahre prägen wird. Auch künftig wird es mit Kaufhof und Karstadt die Rivalität zwischen zwei großen Ketten geben. Die Idee von der einen Deutschen Warenhaus AG ist damit tot.

Vorbild für Galeria Kaufhof könnten künftig die kanadischen und US-Häuser des neuen Eigentümers abgeben: Helle, breite Gänge, in denen nur wenig ausgesuchte Ware präsentiert wird, mehr ein Showroom als ein klassisches Warenhaus. Gefällt Kleid, Sakko oder Hose in einer anderen Farbe oder Größe, kann es gleich vor Ort oder zu Hause online bestellt werden. Liefern lassen oder nach einem Cappuccino selbst abholen – diese Varianten und viele dazwischen werden wählbar. Fachleute sprechen von „Omnichannel“, also von der Nutzung aller Verkaufskanäle. „Ominchannel ist der Schlüssel zum Erfolg“, lautet denn auch das Credo des Hudson’s-Bay-Managements in Toronto.

Andere Konzepte gescheitert

Ob das Konzept der Kanadier aber im Detail funktioniert, ist nicht sicher. „Viele ausländische Handelsunternehmen haben den Versuch gemacht, ihre Konzepte eins zu eins auf Deutschland zu übertragen. Das klappt oft nicht“, sagte Warenhaus-Expertin Bianca Casertano von der Marktbeobachtungsfirma Planet Retail. Lebensmittelhändler wie Walmart und Textilketten wie Marks & Spencer hätten diese Erfahrung gemacht. Ein positives Gegenbeispiel seien die deutschen Häuser von Galerie Lafayette. Ein Warenhaus-Experiment in der Größenordnung von Galeria Kaufhof hat es hier allerdings noch nicht gegeben.

Die HBC kauft für 2,83 Milliarden Euro 103 Filialen von Galeria Kaufhof, davon nach eigenen Angaben 59 „in bester Innenstadtlage“. Dazu kommen 16 Sportarena-Filialen und weitere 16 Standorte von Galeria Inno in Belgien. Deutschland ist für HBC künftig der zweitgrößte Markt. Fast ein Drittel des Konzernumsatzes von umgerechnet neun Milliarden Euro entfällt ab sofort auf die Bundesrepublik.

Jerry Storch, der bei HBC das operative Geschäft steuert, wischte Zweifel am Erfolg vom Tisch. Die Kanadier hätten den deutschen Markt seit Jahren genau beobachtet und sich auch sämtliche Kaufhof-Filialen angeschaut, sagte er in Köln. Das Unternehmen habe außerdem auf dem Heimatmarkt gezeigt, dass es sein Geschäft beherrsche. Der Umsatz sei in den vergangenen vier Jahren gegen einen schwachen Markt um 20 Prozent gewachsen. Der von Richard Baker gesteuerte Immobilien-Entwicklungsfonds HRDC hatte 2006 begonnen, Warenhaus-Ketten in Amerika zu erwerben, zunächst Lord & Taylor, zwei Jahre später Hudson’s Bay. Saks Fifth Avenue – die US-Edelkaufhaus-Kette – gehört seit 2013 zu HBC.

Für Deutschland kündigten die Kanadier eine Investitionsoffensive an, ohne sich auf konkrete Zahlen festzulegen. Die Ausgangslage sei günstiger als nach dem Hudson’s-Bay-Kauf, da sich das Kaufhof-Geschäft in einem besseren Zustand befinde. Man überlege, Saks Fifth Avenue an ausgewählten Kaufhof-Standorten in Deutschland einzuführen, sagte Storch. Zwar sei mit Neueröffnungen von Warenhäusern nicht zu rechnen, HBC wolle aber das Geschäft in den bestehenden Filialen ausbauen.

In Berlin könnten davon rund 1800 Beschäftigte betroffen sein. Kaufhof betreibt fünf Häuser in der Stadt, darunter am Alexanderplatz den größten Standort von der Verkaufsfläche her. Auf mehr als 35.000 Quadratmetern bietet das Unternehmen hier Waren an, das entspricht etwa fünf Fußballfeldern. Die großen Häuser in Düsseldorf, München und Hamburg haben Flächen um 20.000 Quadratmeter Fläche, das Haus am Firmensitz in Köln 31.000 Quadratmeter. Die anderen Berliner Filialen in Gropiusstadt, Lichtenberg und am Ostbahnhof sind deutlich kleiner. In Brandenburg gibt es Kaufhof nur in Cottbus.

Das Unternehmen hatte das Haus am Alex 2004 bis 2006 bei laufendem Betrieb nach den Plänen des Stararchitekten Josef Paul Kleihues umbauen lassen. Kaufhof investierte damals insgesamt 110 Millionen Euro. Zuletzt hatte Kaufhof sich in den Gropiusstadt-Passagen und am Ostbahnhof, der zweitgrößten Berliner Filiale, etwas verkleinert. Stellenabbau war aber nicht geplant. Anders als beim Konkurrenten Karstadt liefen die Geschäfte.

„Hoffnung auf klare Perspektive“

Die Gewerkschaft Verdi klingt vergleichsweise zurückhaltend, was daran liegen kann, dass der neue Eigentümer sich bereits vorab verpflichtete, die Standorte zu halten und kein Personal abzubauen. Auch an der Tarifbindung wollen die Kanadier demnach nichts ändern. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger forderte dafür rechtsverbindliche Verträge. Gleichzeitig bietet der Verkauf „die Chance, dass die Beschäftigten nach jahrelangen Spekulationen um die Zukunft des Kaufhof jetzt eine klare Perspektive erhalten“.

HBC gab bereits am Montag einen Vorgeschmack auf einen neuen Führungsstil: Die rund 21.500 Kaufhof-Mitarbeiter sollen künftig direkt am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden. Es sei bei HBC üblich, dass die Mitarbeiter Aktienoptionen erhalten, sagte der Chef des internationalen Geschäfts, Don Watros, der Berliner Morgenpost. Das gelte auch für den Kaufhof.

Metro-Chef Olaf Koch präsentierte den Deal als den lang erwarteten finanziellen Befreiungsschlag für Metro. Aus dem Kaufpreis, der auch einen Anteil Schuldenübernahme enthält, fließen der Düsseldorfer Gruppe 1,6 Milliarden Euro frische Mittel zu. Koch kündigte eine Verringerung der Nettoschulden von 2,7 Milliarden Euro an. Das Geld will Metro hauptsächlich in die Stärkung des Großhandels und der Elektrohandelsketten Media Markt und Saturn stecken, die als Kerngeschäft gelten. Auch die derzeit unverkäufliche SB-Warenhauskette Real könnte damit leichter auf einen nachhaltigen Kurs gebracht werden. Dennoch fiel der Kurs der Aktie bis zum Nachmittag um fünf Prozent auf unter 30 Euro. Der erzielte Preis sei enttäuschend, versuchte ein Aktienhändler eine Erklärung.

Karstadt-Eigentümer Signa zeigte sich ebenfalls enttäuscht. Die historische Chance zur Bildung einer großen „Deutschen Warenhaus AG“ sei vertan worden. Koch begründete die Entscheidung für HBC damit, dass die drei Anforderungen – „ein fairer Kaufpreis, eine kristallklare Finanzierung und ein Zukunftskonzept mit Perspektiven für Wachstum“ – mit HBC leichter umzusetzen gewesen seien. Marktbeobachterin Casertano meinte: „Das war die richtige Entscheidung für Kaufhof, vor allem unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.“