Kandidatur

Der dritte Bush drängt ins Weiße Haus

Nach George und George W. gibt Jeb Bush seine Kandidatur für das Präsidentenamt bekannt

Nachnamen können wie Mühlsteine am Hals hängen. Erst recht wenn sie auf eine schrecklich bekannte Familie weisen. Darum hat sich John Ellis Bush von seinem sicherheitshalber befreit, bevor er am Montag den Kendall Campus am Miami Dade College in Florida betrat, um offiziell zu beglaubigen, was seit sechs Monaten in der Luft lag: sein Anlauf in Richtung Weißes Haus.

Nach seinem Vater George (1989 bis 1993) und seinem Bruder George W. (2001 bis 2009) will auch Bush III. Amerikas Präsident werden. Im Kampagnen-Logo des 62-jährigen für 2016 tauchen aber nur drei rote Buchstaben auf und ein Ausrufezeichen: „Jeb!“. Obwohl Bush I. beständig hohes Ansehen genießt und selbst Bush II. im konservativen Lager trotz des Irak-Desasters wieder Zustimmungswerte von fast 90 Prozent erreicht, will der ehemalige Gouverneur von Florida seine Eigenständigkeit herausstellen. Dazu hat er sich eine Portion Demut und jede Menge Allgemeinplätze verordnet: „Ich werde nichts für selbstverständlich halten“, versprach er den 3000 Zuhörern im Sakko-losen grauen Oberhemd und fügte hinzu: „Wir werden unsere Zukunft wieder selbst in die Hand nehmen.“

Bush, nach strenger Diät spack im vorher pausbäckigen Gesicht geworden, sparte im Beisein von Gattin Columba und seinen drei erwachsenen Kindern nicht mit Reiz-Worten, die im republikanischen Wähler-Reservoir verfangen sollen. In seiner achtjährigen Amtszeit als Gouverneur schreibt er sich gut, eine starke Wirtschaft, schlanke öffentliche Verwaltungen, niedrige Steuern, großzügige Waffenbesitzrechte und eine klare Nicht-mit-mir-Haltung hinterlassen zu haben - zu allem, was traditionelle Familien-Konzepte auf die Probe stellt.

Aus dieser Arbeitsbilanz leitet der über Immobilien und Finanzgeschäfte Millionär gewordene Bush für sich die Eignung ab, Washington, „die statische Hauptstadt unseres dynamischen Landes“, in den Griff zu kriegen und 19 Millionen neue Jobs und vier Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr zu schaffen. „Ich weiß, wir können unsere Probleme lösen. Ich habe es schon mal geschafft.“

Für den Startschuss hatten Bushs Regisseure einen Schauplatz mit Symbolik ausgewählt. Amerikas größte Lehranstalt ihrer Art weist mit knapp 70 Prozent Latino-Anteil auf den demographischen Wandel zu einem entschieden weniger weißen, mehr hispanisch geprägten Amerika hin. Im Vorprogramm kam ausführlich eine gebürtige Kolumbianerin zu Wort; mit einer Lobeshymne auf Bush, der mit einer Mexikanerin verheiratet ist, fließend Spanisch spricht und Menschen, die ihre Wurzeln im Hinterhof der USA haben, mit grundsätzlichem Wohlwollen begegnet.

Das gefällt nicht jedem im konservativen Lager. Aber Bush steht zu einer behutsamen Legalisierung von Einwanderern, die einst ohne Papier über den Rio Grande gekommen sind. Nach dem 2012 von Mitt Romney vergeigten Versuch, Hispano-Wähler zu gewinnen, findet Bush, die Republikaner müssten „viel mehr Herz zeigen“. Mit der Rede in Miami ist seine Erkundungsphase abgeschlossen. Bei Gönnern hat Jeb Bush fast 100 Millionen Dollar für den Wahlkampf eingeworben.