Kommentar

Gefährlicher Großeinkauf

Karstadt verliert das Bieterrennen um Kaufhof. Nun wird es noch schwerer

Jetzt übernehmen also die Kanadier die Geschäfte bei Kaufhof. 2,8 Milliarden Euro bezahlt das Handelsunternehmen Hudson’s Bay für den Einstieg in den deutschen Markt. Für den Verkäufer Metro ist das erst einmal gut, für Kaufhof ist die Lage schon etwas undurchsichtiger, und für den Konkurrenten Karstadt wird es erst recht eng.

Die Düsseldorfer Metro kann sich jetzt ganz auf die Technikketten Media Markt und Saturn sowie auf das Großmarktgeschäft konzentrieren. Die Schulden des Konzerns sinken ordentlich. Seit Jahren hatte die Metro-Spitze mit Kaufhof gefremdelt und entsprechend wenig daran gesetzt, das Geschäft im großen Stil auszubauen, aber auch drastisch einzugreifen. Das gab dem Kaufhof-Team um Lovro Mandac und Olivier Van den Bossche die Chance, das Unternehmen mit den 135 Filialen, davon 32 in Belgien, recht effizient aufzustellen.

Der neue Eigentümer wird auch deswegen das Managementteam übernehmen. Und es gibt noch einen anderen Grund: Die Kanadier haben Europa als neuen Markt entdeckt, da ist Personal gefragt, das sich auskennt. Denn – und das ist auch die große Gefahr des Kaufs – Hudson’s Bay hat zwar jede Menge Erfahrung mit Kaufhäusern in Nordamerika, aber keine in Europa, und schon gar nicht mit dem deutschen Markt, der als einer der schwierigsten überhaupt gilt.

So hatte zum Beispiel Walmart, der größte Einzelhändler der Welt, versucht, in Deutschland groß herauszukommen – und scheiterte. Selbst innerhalb Europas lassen sich die Konzepte nicht übertragen: Die Edelhandelskette Marks & Spencer aus Großbritannien zog sich nach verlustreichen Jahren aus Deutschland zurück, ebenso der französische Handelsriese Carrefour. Und der international erfahrene Kaufhausmanager Andrew Jennings scheiterte zuletzt mit der Neuorientierung von Karstadt.

Die deutschen Kunden gelten als besonders preisempfindlich und verlangen gleichzeitig Qualität. Zudem ist der Wettbewerb hoch. Das bringt dem Verbraucher niedrige Preise, dem Handel aber geringe Gewinnmargen.

Und dann ist da noch das grundsätzliche Problem Kaufhaus. Handelsexperten sagen seit mehr als 20 Jahren das Ende des Konzepts voraus, alles unter einem Dach anzubieten. Mitte der 90er-Jahre gab es eine große Fusionswelle, Horten und Hertie verschwanden, die verbliebenen Anbieter wandelten sich, Kaufhof gelang das besser als Karstadt. Aber der Umsatz sank. Jetzt jagen zunehmend Billiganbieter wie H&M oder Primark den Kaufhäusern Kunden ab. Und dann sind da noch die Onlinehändler wie Zalando. Gerade online hängt auch Kaufhof hinterher.

In diesem Marktumfeld werden sich die Kanadier schwertun, auch wenn sie erst einmal angekündigt haben, keinen Standort schließen und alle Mitarbeiter weiterbeschäftigen zu wollen. Sogar Investitionen sind vorgesehen. Die Frage ist, wie lange der Haupteigentümer von Hudson’s Bay, ein Finanzinvestor, stillhält, sollte es in Deutschland etwas dauern. Aber ein Eigentümer, der etwas von Handel versteht, ist möglicherweise besser als einer, der vor allem Immobilien entwickelt – und mag er noch so erfolgreich sein wie René Benko.

Der Österreicher hatte ebenfalls für Kaufhof geboten. Ihm gehört bereits Karstadt, und er wollte aus beiden Unternehmen eine deutsche Warenhaus AG formen. Weil es in vielen Städten sowohl Karstadt als auch Kaufhof-Häuser gibt, hätte Benkos Konzept wahrscheinlich Stellenabbau und Standortschließungen bedeutet. Und Kaufhof wäre mit den Problemen von Karstadt belastet worden.

Dort sind anders als bei Kaufhof viele Immobilien in Toplagen verkauft und teuer gemietet worden, die Organisationsstruktur ist nicht modern. Das Unternehmen steckt im zweiten Umbau seit der Insolvenz 2010, weil der erste langjährige Kunden vergrault hatte, ohne neue jüngere anzuziehen. Es ist die letzte Chance. Und dass Karstadt sie allein wahrnehmen muss, macht es noch schwerer.