Konflikt

Sechs Tote trotz Waffenstillstands in der Ostukraine

Gefechte zwischen Separatisten und Regierungstruppen

Bei heftigem Beschuss im ostukrainischen Kriegsgebiet sind wieder mehrere Menschen ums Leben gekommen, obwohl dort seit vier Monaten eine Waffenruhe gelten soll. Sechs Soldaten seien innerhalb von 24 Stunden getötet worden, sagte Militärsprecher Andrej Lyssenko in Kiew. Vor allem nahe der Separatistenhochburg Donezk sei die Lage gespannt.

Die prorussischen Aufständischen berichteten Agenturen zufolge von zwei verletzten Zivilisten bei Angriffen der Regierungstruppen. Nach Darstellung der Separatisten verstieß die ukrainische Armee zuletzt rund 100 Mal gegen die Feuerpause. Der Verwaltung von Donezk zufolge wurden mehrere Stadtviertel beschossen.

Die Konfliktparteien hatten sich am 12. Februar in Minsk unter anderem auf eine Waffenruhe im Frontgebiet geeinigt. Seitdem wurde aber fast täglich dagegen verstoßen. Nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wird an immer mehr Stellen gekämpft. „Wir zählen immer mehr Brennpunkte“, sagte der Vizechef der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine, Alexander Hug, in Wien. „Es gibt eine Eskalation.“ Separatisten und ukrainische Regierungstruppen bekämpften sich dabei zunehmend in bewohnten Gebieten.

Beide Seiten hätten zudem zuletzt immer mehr Landminen gelegt, sagte Hug. Sie verstießen außerdem gegen das Minsker Abkommen, weil sie schwere Geschütze in die Konfliktregion brächten, statt sie abzuziehen. „Es gibt derzeit einen deutlichen Abwärtstrend.“ Seit Beginn der Kämpfe im April 2014 sind in den Gebieten um Donezk und Lugansk nach UN-Angaben mehr als 6400 Menschen ums Leben gekommen. Die OSZE hat derzeit rund 370 unbewaffnete Beobachter in der Region im Einsatz.

Derweil will der Internationale Währungsfonds (IWF) die finanziell angeschlagene Ukraine auch bei einem Scheitern der Gespräche mit privaten Kreditgebern unterstützen. Zwar dringt der IWF weiterhin darauf, die vorerst eingestellten Gespräche der Regierung in Kiew mit privaten Gläubigern fortzusetzen. Sollte es in diesen Verhandlungen zu keinem Kompromiss kommen, halte die Organisation mit Sitz in Washington an ihren Zusagen fest, teilte IWF-Chefin Christine Lagarde am Freitag mit. Das Hilfsprogramm des IWF umfasst derzeit 17,5 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro). Die ukrainische Regierung verhandelt seit Monaten mit privaten Gläubigern, um einen Staatsbankrott mittels Umschuldung zu vermeiden.