IT-Sicherheit

Bundestag bekommt Hackerangriff nicht in den Griff

Nach Cyber-Attacke muss altes IT-Netz ausgetauscht werden

Wegen massiver Cyber-Attacken muss der Deutsche Bundestag offenbar sein gesamtes Computer-Netzwerk neu aufbauen. Die Spezialisten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seien nach dem jüngsten Angriff zu dem Schluss gekommen, dass das Bundestags-Netz nicht mehr verteidigt werden könne und aufgegeben werden müsse, berichteten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR am Mittwoch.

Personen, die unmittelbar in das Geschehen eingebunden sind, haben erklärt, zum jetzigen Zeitpunkt könne nicht ausgeschlossen werden, dass aus dem Bundestags-Netzwerk noch immer unbemerkt Daten abfließen. Weiter heißt es, dem Angreifer sei es gelungen, den so genannten Verzeichnisdienst des Bundestages zu übernehmen. In dem Dienst werden die Parlaments-Rechner, insgesamt mehr als 20.000 Stück, als Netzwerk organisiert. Der Angreifer hat somit Zugriff auf beliebige Systeme des Bundestages sowie auf alle Zugangsdaten der Fraktionen, Abgeordneten und Bundestags-Mitarbeiter. Auch weil die Angreifer mittlerweile Administratoren-Rechte im Bundestag an sich gebracht haben, soll nun das alte Netzwerk aufgegeben und ein neues Netzwerk aufgebaut werden. Die Geheimschutzstelle, der NSA-Untersuchungsausschuss und die Personalverwaltung des Bundestages sind von dem Angriff offenbar nicht betroffen, da sie besonders gesicherte Netzwerke nutzen.

Trojaner offenbar noch weiter aktiv

BSI-Präsident Hange wird die Mitglieder der Bundestags-Kommission für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken (IuK-Kommission) am Donnerstag, 11. Juni, über die Ergebnisse der BSI-Analyse unterrichten. Ein als geheim eingestufter BSI-Bericht, der die Erkenntnisse zum Cyberangriff zusammenfasst, wurde den Abgeordneten bereits in der vergangenen Woche zugänglich gemacht. Eine Neuorganisation des Bundestagsnetzwerkes könnte die Parlamentsverwaltung vor erhebliche Schwierigkeiten stellen.

„Spiegel Online“ berichtete aus Parlamentskreisen, die Trojaner seien immer noch aktiv. Es flössen weiter Bundestagsdaten in unbekannte Richtung ab. Es werde daher von einem „Totalschaden“ gesprochen. Ein Austausch würde Monate dauern und Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe verursachen.

Die Cyberattacke war Mitte Mai bekannt geworden. Nach Angaben aus Parlamentskreisen verdichtet sich der Verdacht auf ausländische Geheimdienste. Laut „Spiegel Online“ liegen Experten Anhaltspunkte vor, der russische Geheimdienst stecke hinter der Spähaktion.

CDU-Innenexperte Armin Schuster forderte die Opposition auf, sich in der Kommission nicht länger gegen Untersuchungen von Verfassungsschutz, BKA und BSI zu stemmen. Das Verhalten sei an Naivität nicht zu überbieten, sagte er. „Das Haus brennt“, sagte er.