Republikaner

Der kleine Bruder auf Europareise

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Alexander Kohnen

Jeb Bush möchte US-Präsident werden. In Berlin verschweigt er seinen Bruder

Er bedankt sich bei allen. Er lobt Ronald Reagan, der vor dem Brandenburger Tor stand und rief: „Mr. Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor.“ Er lobt seinen Vater George, „den größten Mann, den ich je getroffen habe“. Und er lobt Helmut Kohl, den Vater der Einheit. Nur den Namen seines älteren Bruders George W. nimmt Jeb Bush nicht in den Mund an diesem Dienstagabend im überfüllten Saal des Hotel Intercontinental in Berlin, wo er auf dem Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrats eine Rede hält. Er tut fast so, als hätte er keinen ältern Bruder. Und er hat gute Gründe dafür.

John Ellis Bush, 62 Jahre alt und von allen nur Jeb genannt, gilt im Vergleich zu seinem Bruder als introvertiert und zurückhaltend. Und er wirkt tatsächlich steif und brav, wie er da neben Kurt Laux steht, dem Präsidenten des Wirtschaftsrates. Scherze macht er nicht, die Süffisanz, die seinen Bruder auszeichnet, ist bei ihm nicht zu erkennen. Jebs Gesichtszüge sind weicher, nicht so kantig wie die seines Bruders.

Sein Anzug könnte ein bisschen enger sitzen. Jeb Bush isst nur noch Fleisch, Fisch, Gemüse und Nüsse. Paleo- oder Steinzeit-Diät nennt man das. Dazu macht er jeden Tag Sport. So hat er einige Kilo abgenommen. Kraftvoll oder gar charismatisch wirkt er deshalb nicht. Sein Auftritt ist weit entfernt von der Rede Barack Obamas im Sommer 2008 vor der Siegessäule.

Und doch: Jeb Bush möchte Präsidentschafts-Kandidat der Republikaner werden. Nächste Woche wird der ehemalige Gouverneur von Florida seine Pläne verkünden. Die Europa-Reise, die Bush am Dienstag nach Berlin und anschließend nach Polen und Estland führt, soll sein außenpolitisches Profil schärfen.

Da kann Jeb Bush die Gespräche und vor allem die Bilder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gut gebrauchen. Von den Fotos aus der deutschen Hauptstadt erhofft sich Bush wohl auch, dass sie ihn als Kosmopoliten zeigen. Das wird spätestens dann ganz wichtig werden, wenn sich die Republikaner für ihn entscheiden. Im Kampf um das Weiße Haus würde Bush einer Frau gegenüber stehen, die bereits US-Außenministerin war. Hillary Clinton, 67, gilt bei den Demokraten als gesetzt. Sollte es im Wahlkampf 2016 ein Duell der Dynastien geben, hätte sie bessere Chancen. Laut einer CNN-Umfrage würden dann 51 Prozent für Clinton stimmen. Und nur 43 Prozent für Bush.

Inhaltlich hat Bush in Berlin auch etwas im Gepäck: Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP muss kommen – damit der Wohlstand wächst. Die Steuern in den USA müssen runter – damit die Firmen gute Geschäfte machen und die Menschen Arbeit haben. Der russische Präsident Wladimir Putin ist ein „rücksichtsloser Pragmatiker“ – ihm wird er sich, wenn er denn Präsident wird, entgegenstellen.

Wie steinig der Weg ins Weiße Haus für Jeb Bush wird, zeigte seine Antwort auf die Frage, wie er den Irak-Krieg seines Bruders sieht. Auch er hätte sich für die Invasion entschieden, sagte Jeb – also auf der Basis dessen, was man damals gewusst habe. Die Kritik war so heftig, dass er am Tag danach sagte, er habe die Frage falsch verstanden. Überhaupt sei die Frage hypothetisch, er könne nicht sagen, was er gemacht hätte. Drei Tage später dann endlich der Satz, auf den alle Beobachter warteten: „Ich wäre nicht einmarschiert.“ Es überrascht also nicht, dass er seinen Bruder vor dem CDU-Wirtschaftsrat verschweigt. Es passt sogar zu seiner bisherigen Strategie: Auf seinen Wahlkampfaufklebern steht nur „Jeb“, nicht der Name seiner Familie.