Geschichte

Die Familie fordert Sprechzettel von Schabowski zurück

Es war ein Stück Papier, das Geschichte schrieb, mit der Hand beschrieben von Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros der SED.

Er löste vor einem Vierteljahrhundert eine Kettenreaktion aus, die erst zum Fall der Mauer und dann zur Wiedervereinigung führte. 25.000 Euro war das Dokument dem Museum für Deutsche Geschichte wert, gezahlt an eine bislang unbekannte Person. Darum ist jetzt ein Streit entbrannt. Die Familie des inzwischen an Demenz erkrankten Politbüro-Sprechers Schabowski hat eine Anwaltskanzlei beauftragt, das Papier zurückzufordern.

Es war der 9. November 1989. Günter Schabowski trat im Internationalen Pressezentrum in der Ost-Berliner Mohrenstraße vor die Medien. Nach einem Referat über die letzte ZK-Sitzung kam er auf das Thema zu sprechen, das alle Welt interessierte: die neue Reiseregelung der DDR. Das Politbüro, sagte Schabowski, habe sich „entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen“. Die Notizen für seinen Auftritt hatte er sich auf dem Zettel gemacht, der aber galt nach der Pressekonferenz viele Jahre als verschollen.

Seit April darf er von jedermann im Haus der Geschichte in Bonn bestaunt werden. Denn die vom Bund finanzierte Stiftung hat die Notiz für 25.000 Euro gekauft. Wer den Zettel an das Museum verkauft hat, ist unklar. Die Stiftung gibt nicht bekannt, von wem sie das historische Papier erworben hat: „Der Vorbesitzer des Zettels will anonym bleiben“, teilt das Museum auf seiner Internetseite mit.

Der Familie geht es nach Aussage von Irina Schabowski nicht ums Geld. „Wir möchten nur wissen, warum der Zettel jetzt auftaucht und wo er all die Jahre war“, sagt sie.