Sicherheit

New Yorker Bürgermeister unter Druck

Die gefühlte neue Unsicherheit könnte Bill de Blasio das Amt kosten

„Vier weitere Morde in einer Nacht“, titelte kürzlich die „New York Post“ und brachte dazu Fotos weinender Angehöriger eines Opfers. Die Titelseite der Boulevard-Konkurrenz „The Daily News“ schlug in die gleiche Kerbe: „Verbrechen in der U-Bahn schießt in die Höhe!“ Die ersten Monate dieses Jahres waren blutiger als die des Vorjahres, das belegen die Zahlen. Bis 31. Mai gab es 135 Morde, im selben Zeitraum 2014 waren es 113. Die Zahl der Opfer von Schusswaffenverletzungen stieg in der Stadt mit rund 19 Millionen Einwohnern von 467 auf 510.

Die Zunahme könnte auch als gering bezeichnet werden. Aber es geht in Sicherheitsfragen manchmal eher ums Gefühl als um die Fakten, wie die Politikwissenschaftlerin Christina Geer von der Fordham-Universität erklärt. „Manchmal spielt die Realität da dann keine Rolle“, sagt sie. „Wenn die Wähler denken, sie sind 2015 weniger sicher und sie tun das auch 2016 und 2017, hat der Bürgermeister verloren. Er verliert alles: seine Agenda, seinen Job.“

De Blasio trat im Januar 2014 als erster demokratischer und liberaler Bürgermeister seit 20 Jahren die Führung der Millionenmetropole an. Seine konservativen Vorgänger Rudolph Giuliani und Michael Bloomberg hatten sich als harte Kämpfer gegen des Verbrechen profiliert. Der Wechsel im Rathaus ließ in einigen Kreisen die Befürchtung entstehen, New York könne in die schlimme Zeit der 70er zurück fallen, als die Stadt als eine der Verbrechensmetropolen der USA galt.

Kritik vom konservativen Rivalen

De Blasio ist mit dem Versprechen einiger Justizreformen angetreten, dazu kommen Gerichtsentscheidungen nach dem US-weiten Aufschrei gegen Polizeigewalt seit den tödlichen Schüssen im vergangenen August auf einen unbewaffneten Schwarzen in Ferguson. So untersagte ein Bundesrichter die in New York übliche Polizeitaktik des Stop-and-Frisk – des verdachtslosen Anhaltens von Passanten, die sich dann abtasten und durchsuchen lassen müssen.

De Blasios unterlegener konservativer Rivale bei der Bürgermeisterwahl 2013, Joe Lhota, ist heute in der ersten Reihe der Kritiker, die den liberalen Rathauschef als Weichei in der Verbrechensbekämpfung darstellen.

Ausführlich erläuterten hohe Polizeioffiziere, dass die meiste Gewalt und deren Opfer aus dem Bandenmilieu stammen. Die Zunahme von Verbrechen mit Schusswaffen sei weitgehend auf die Hochkriminalitäts-Stadtteile South Bronx, Brownsville, und Bedord-Stuyvesant in Brooklyn begrenzt. Nach einer Statistik der New Yorker Polizei NYPD wurden mehr als 40 Prozent der Morde in zehn der 76 Bezirke New Yorks verübt.

De Blasio kündigte auf einer Pressekonferenz vergangene Woche eine Neuauflage des Programms „Summer All Out“ an, bei dem im vergangenen Sommer die Patrouillen in kriminalitätsgefährdeten Gegenden erheblich gesteigert wurden. Vor einem Jahr ging die Zahl der Schießereien in den zehn Vierteln um 25 Prozent zurück.