Nichtrauchergesetz

Abschied vom Reich des Tabaks? Harte Zeiten für Chinas Raucher

„Kleiner Panda“, „Gute Katze“, „Stolz“ – hinter den harmlos klingenden Namen verbergen sich chinesische Zigarettenmarken.

Frau Qian Jinglai hat rund 50 Packungen der unterschiedlichen staatlichen Marken in ihrem Geschäft unter der großen Glastheke aufgereiht. „Rauchen ist ein Laster, aber auch ein gutes Geschäft“, sagt sie. Seit elf Jahren betreibt sie ihr Fachgeschäft in Peking. Aber zum 1. Juni will Chinas Hauptstadt mit einem der strengsten Nichtrauchergesetze der Welt gegen Nikotinsüchtige vorgehen.

China ist das Reich des Tabaks. In keinem Land der Welt werden so viele Zigaretten produziert, gleichzeitig bringt es die Volksrepublik mit 300 Millionen auch auf die mit Abstand größte Zahl an Rauchern. Hinter der gewaltigen Produktion von mehr als zwei Billionen Zigaretten jährlich steht der Staatskonzern China National Tobacco Corporation. Ein von der Zentralregierung garantiertes Monopol sichert der Firma ihr Milliardengeschäft und dem Staat florierende Einnahmen. Die Tabakindustrie macht jährlich rund sieben Prozent von Chinas Staatseinnahmen aus. Das machte ein wirksames Vorgehen gegen die allgegenwärtigen Raucher fast unmöglich. Zigaretten sind günstig. Eine Packung Kippen gibt es schon für umgerechnet 45 Cent.

Zum 1. Juni will Peking Tausende Aufseher losschicken, um ein neues Nichtrauchergesetz durchzusetzen. Rauchen ist dann in allen öffentlichen Gebäuden, Hotels, Restaurants, Kinos und mehr verboten. Die Regel gilt ohne Ausnahmen, das bedeutet, dass auch Lounges für Süchtige nicht gestattet sind. Vor vier Jahren hatte Peking schon einmal versucht, ein strengeres Rauchverbot durchzusetzen. Bis heute hängen in vielen Restaurants der chinesischen Hauptstadt noch die Schilder mit der Aufschrift „Rauchen verboten“. Die meisten Nikotinkonsumenten stört das wenig. Verqualmte Restaurants sind die Regel und nicht die Ausnahme.

In China ist es sehr wichtig, welche Behörde hinter einer Verordnung steht. Im Fall der neuen Nichtrauchervorschriften ist es das Gesundheitsministerium. Im Gegensatz zum Umweltministerium gilt die Behörde als mächtig.

Qian Jinglai rechnet der neuen Nichtrauchervorschrift aber trotzdem keine große Chance aus. „Am Anfang werden die Aufseher streng kontrollieren. Aber in ein paar Monaten redet keiner mehr davon.“ So sei das immer gewesen.