Kommentar

Das Schöne am Fußball

Es war keine gute Woche, die hinter dem Fußball liegt.

Der Weltverband Fifa wurde erschüttert von einem Korruptionsskandal; nicht der erste, aber wohl der heftigste. Sieben Funktionäre sind mittlerweile inhaftiert, es wird weiter ermittelt wegen Schmiergeldzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe. Das ist schlimm. Schlimmer noch aber ist, dass sich Fifa-Präsident Joseph Blatter anschließend ungerührt und mit veritabler Mehrheit für weitere vier Jahre im Amt bestätigen ließ. Seine wirren Reden auf dem Kongress lassen keinen Zweifel daran, dass sich bis 2019 nichts verbessern wird im Weltverband.

Die Fußballfans verzweifeln an der verdorbenen Verbandsspitze, die sich aufführt wie die Mafia – sogar öffentlich statt im Verborgenen. Blatter geht es ausschließlich um seine Macht und nicht um den Sport. Der Fußball ist hässlich geworden unter der Regentschaft der korrupten Clique aus Zürich. Am Wochenende aber erschien Licht am Horizont. Dank Jürgen Klopp.

Der scheidende Trainer von Borussia Dortmund gab am Samstag in Berlin seine Abschiedsvorstellung. Es wurde kein Happy End, denn seine Mannschaft verlor im Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg. Trotzdem war Klopp der Gewinner des Abends. Denn sein Adieu war so herzergreifend, so ehrlich und authentisch, dass er vieles heilte, was Blatter zertrampelt hatte.

Natürlich ist auch Klopp eine Figur des Milliardengeschäfts, da braucht sich niemand Illusionen hinzugeben. Er profitiert persönlich von seiner Eloquenz und Beliebtheit, er maximiert die Leistung einer Mannschaft, die mit Erfolg Geld verdient. Und doch sind es Typen wie er, die Werte hochhalten, die nicht in Euro messbar sind. Denn der Fußball birgt eine fast mystische Kraft in sich. Sie bewirkt, dass sich fremde Menschen in den Armen liegen. Dass sie zusammen weinen und jubeln, schreien und lachen. Jenseits von Gewinnmaximierung, Stadienauslastung und Zweikampfquoten.

Solang der Fußball Figuren wie Klopp gebiert, denen die Fans das innere Feuer und die Leidenschaft abnehmen, wird der Sport diese Kraft nicht verlieren. Da können korrupte Funktionäre betrügen, wie sie wollen. „Es ist nicht so wichtig, was über einen gesagt wird, wenn er kommt. Viel wichtiger ist, was gesagt wird, wenn er geht“, hat Klopp zum Abschied gesagt. Ein Satz, der von Sepp Blatter wohl nie zu hören sein wird. Zum einen, weil die Leute ihm keine Träne nachweinen würden. Zum anderen, weil er ja ohnehin nicht geht …