Kommentar

Denkzettel für Blatter

Die Festnahmen hochrangiger Funktionäre, die Durchsuchung in der Fifa-Zentrale in Zürich, besonders die Drohung von Top-Sponsoren, dem Fußball-Weltverband in Zukunft die Zusammenarbeit zu kündigen – all das ist doch nicht ganz ohne Wirkung geblieben.

Das scheinbar unumstößliche System des Joseph Blatter, in 17 Jahren Präsidentschaft mit viel Geld und noch mehr Versprechen an das Wahlvolk aufgebaut, es ist ein bisschen ins Wanken geraten. Im finanziell gut ausgestatteten Teil der Fifa-Welt wird der 79-Jährige abgelehnt, er verdankt seine schwindende Macht nur noch der Unterstützung aus Ländern, die von seiner finanziellen Gnade abhängig sind. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte ist, dass der finale Akt, der Sturz des greisen Schweizer Fußball-Herrschers, wie erwartet ausblieb. Aber wenigstens kann sich Blatter seiner Unberührbarkeit nicht mehr so sicher sein. Dass sein Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein, quasi ein Namenloser im Geschäft, nicht schon im ersten Wahlgang von ihm beiseite geräumt werden konnte, ist als Ohrfeige, als Denkzettel zu werten. Die 73 Stimmen für den Jordanier sind in erster Linie als Votum gegen Blatter zu verstehen. So viel zählbare Opposition gab es lange nicht.

Der aalglatte Fifa-Präsident versprach am Tag seiner Wahl, dass er die offensichtlichen Probleme jetzt anpacken will: „Ich will eine schöne Fifa. Morgen fangen wir damit an.“ Das ist eine viel sagende Ankündigung nach 17 Jahren an der Macht. Blatter hat im Jahr 1998 von seinem Amtsvorgänger Joao Havelange schon einen schmutzigen Laden übernommen. Zu seiner Reinigung beigetragen hat er nichts. Genauso wenig wie seine feige Opposition aus Europa, die nicht einmal in der Lage war, einen eigenen Gegenkandidaten aufzustellen.

Die stille Hoffnung bleibt, dass diese Reinigung nun die ermittelnden US- und Schweizer Behörden übernehmen. Sollten die einstigen Blatter-Gefährten im Verhör vor die Wahl gestellt werden, für viele Jahre ins Gefängnis zu wandern oder mit der Polizei zu kooperieren, wer weiß, welche Skandale noch ans Licht kommen. Und ob beim Auskehren nicht auch Blatter von seinem Thron gefegt wird. Endlich.