Terror

Im Kampf gegen den IS ist Iraks Armee das Hauptproblem

Jahrelanges Training der US-Ausbilder wirkungslos. Teures Militärequipment auf der Flucht an den IS verloren

Fahrzeuge und Häuser stehen in Brand. Leichen liegen in den Straßen oder treiben im Wasser des Euphrats. Sie wurden Opfer der „Säuberungsaktion“ der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Die sunnitischen Extremisten haben am Wochenende Ramadi, die Hauptstadt der irakischen Provinz Anbar, erobert.

Die letzten Truppen der irakischen Regierung waren am Sonntag aus dem Ort geflohen, der seit letzten Sommer umkämpft ist. „Ramadi ist gefallen“, sagt Muahannad Haimour, der Sprecher des Gouverneurs der Provinz Anbar. „Über 500 Menschen sind im Laufe der letzten Tage getötet worden. Rund 8000 dürften die Stadt verlassen haben.“ Viele von ihnen sind Hals über Kopf mit ihren Habseligkeiten entkommen.

Im März hatte die irakische Armee eine groß angelegte Offensive gegen die IS-Terrormiliz gestartet. In deren Verlauf sollte auch die Anbar-Provinz befreit werden, in der sich die Extremisten seit über einem Jahr eingenistet haben. Das ist nun erst einmal kläglich gescheitert und unterstreicht erneut die Unfähigkeit der irakischen Armee. Ihre Reputation hatte sie mit dem Fall von Mossul und der anschließenden Invasion des Iraks durch IS-Kämpfer längst verloren.

Die Regierungssoldaten waren kurzerhand davongelaufen, als sie hörten, die Terrormiliz sei im Anmarsch. Vom jahrelangen Training der US-Ausbilder war damals nichts zu spüren. Millionen von Dollar waren in den Aufbau einer modernen Armee für den neuen Staat Irak nach dem Fall Saddam Husseins ausgegeben worden. Die Invasion der sunnitischen Radikalen zeigte, es war alles umsonst. Obendrein wurde teures Militärequipment an den IS verloren, das die USA in großem Umfang geliefert hatten.

Auch heute noch werden irakische Soldaten von amerikanischen Ausbildern trainiert. Aber die Qualität der Truppe scheint das nur unwesentlich zu heben. Hinzu kommt eine fehlerhafte Logistik. Aus Bagdad wird nur unzureichend Nachschub geschickt. Den Soldaten ist an der Front in Ramadi schlicht die Munition ausgegangen.

Am Donnerstag hatten die IS-Dschihadisten ihren Angriff gestartet, am Sonntag waren sie schon im Stadtzentrum. Weit mehr als 20 Selbstmordattentate mit sprengstoffbeladenen Fahrzeugen sollen den Weg frei gebombt haben. Aber diese Militärtaktik des IS ist im Irak seit Langem bekannt. Wie kann man darauf nicht vorbereitet sein?

Nun hat der irakische Premierminister Haidar al-Abadi schiitische Milizen nach Ramadi beordert. „Wir werden den barbarischen Feind eliminieren“, sagte Youssef al-Kilabi, der Sprecher der schiitischen Milizen. Das hatten die schiitischen Milizen bereits bei der Rückeroberung von Tikrit im April bewiesen. Im Gegensatz zu den Soldaten der irakischen Armee kämpfen die schiitischen Milizionäre nicht alleine um ihren Sold. Sie sind fanatisch und bereit, jeder Zeit für ihre Sekte des Islam zu sterben. Während der amerikanischen Besatzung des Iraks hatten sie gegen das US-Militär gekämpft. Der Einsatz dieser Milizen, die vom Iran trainiert und bewaffnet sind, hat aber seinen Preis. In Tikrit plünderten sie die überwiegend von Sunniten bewohnte Stadt.