Analyse

126.000 Fässer voller Atommüll

Die Bergung aus dem maroden Endlager Asse droht zu scheitern

Die von der Bundesregierung geplante Bergung von rund 126.000 Fässern mit schwach- und mittelstrahlendem Atommüll aus dem maroden Bergwerk Asse in Niedersachsen droht zu scheitern. Darauf deutet eine vorläufige Analyse der Probebohrungen durch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hin, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Darin heißt es, dass der für die planmäßige und sichere Bergung nötige Schacht 5 nach den bisherigen Untersuchungserkenntnissen womöglich nicht an der vorgesehenen Stelle gebaut werden kann.

Bestätigt sich dieses Zwischenergebnis, steht die Rückholung der Fässer insgesamt infrage. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hatte als Betreiber der Schachtanlage Asse 2 mehrfach darauf verwiesen, dass eigentlich nur ein Standort für den Bau eines Bergungsschachtes ernsthaft in Betracht kommt.

Andere Bohrplätze scheiden aus, weil der Untergrund durch den jahrzehntelangen Salzbergbau dort zu stark ausgehöhlt ist – oder weil der Schacht zu nahe an unsicheren Gesteinsformationen entlangführen würde. Am einzig verbliebenen Standort wurde seither eine Erkundungsbohrung gemacht, die zeigen soll, ob der Untergrund wirklich für den Schachtbau geeignet ist. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet.

In dem unveröffentlichten Bericht der BGR vom 25. März dieses Jahres heißt es nun, dass das laut den Vorplanungen des BfS „erwartete Hauptsalz der Staßfurt-Folge im gesamten Bohrverlauf nicht angetroffen wurde“. Die Ergebnisse zeigten vielmehr, dass sich „die Salinarstruktur der Asse im zu bewertenden Teufenbereich stark verengt“. Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass „entgegen der Vorplanungen nicht genügend Salzvolumen (...) für das Abteufen eines Schachtes und der Auffahrung von Infrastrukturräumen zur Verfügung steht“.

Das Bundesamt für Strahlenschutz wies diese Schlussfolgerung der BGR allerdings zurück. Bei der Analyse der BGR handele es sich lediglich um eine Tischvorlage, die den Eindruck eines abschließenden Berichts erwecke. Unter den an einem Fachgespräch teilnehmenden Wissenschaftlern habe Einigkeit bestanden, „dass die Unterlage in ihren Schlussfolgerungen fachlich nicht fundiert ist und deshalb überarbeitet werden muss“.

Im ehemaligen Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel wurden zwischen 1967 und 1978 schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert. Weil das Grubengebäude in Teilen instabil geworden ist und Wasser einsickert, plant das Bundesamt für Strahlenschutz die Rückholung der rund 126.000 Fässer. Die Bundesregierung hatte 2013 die schnellstmögliche und sichere Bergung als Ziel definiert.