Geschichte

Kanzler unter Druck: Von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder

Konrad Adenauer Vor mehreren wichtigen Weichenstellungen in den Gründungsjahren der Bundesrepublik wurde Konrad Adenauer (CDU)massiv attackiert. „Der Bundeskanzler der Alliierten“ rief ihm der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher im Parlament 1949 zu; er hielt den Kanzler für zu nachgiebig. Auch für die Schaffung der Bundeswehr wurde Adenauer heftig kritisiert.

Ludwig Erhard stand als Kanzler von Anfang an unter Druck. Als Nachfolger Adenauers musste er sich weniger gegen Attacken der Opposition wehren – sondern vor allem die hässlichen Angriffe seines Vorgängers ertragen. Erhard führte kollegial, nicht autoritär. Das legten ihm viele als Schwäche aus. Seine Amtszeit währte denn auch nur drei Jahre, vom Oktober 1963 bis zum Dezember 1966.

Kurt Georg Kiesinger führte als erster Kanzler eine große Koalition. In seine Regierungszeit fallen die Notstandsgesetze. Unter Druck geriet Kiesinger immer wieder wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP. Die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld verpasste ihm 1968 deshalb eine Ohrfeige. Sie erhielt vor kurzem von Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz.

Willy Brandt Für seine Aussöhnung mit den Staaten des Ostblocks sah sich Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) heftigen Angriffen ausgesetzt. Nach dem Kniefall von Warschau wurde er als „Vaterlandsverräter“ geschmäht. 1972 versuchte die CDU/CSU, Brandt mit einem Misstrauensvotum stürzen. Die SPD/FDP-Koalition aber hielt erfolgreich dagegen.

Helmut Schmidt Von einer „verhängnisvollen Fehlentscheidung“ sprach Erhard Eppler (SPD) mit Blick auf den Nato-Doppelbeschluss, für den sich Kanzler Helmut Schmidt (SPD) stark machte. 1981 demonstrierten in Bonn 250.000 Menschen gegen Schmidts klaren Nachrüstungskurs – es war der Anfang vom Ende der sozial-liberalen Regierung.

Helmut Kohl Sein beherztes Engagement für die Vereinigung Deutschlands 1989/90 löst heftige Attacken gegen Kanzler Helmut Kohl (CDU) aus. Dessen wegweisenden Zehn-Punkte-Plan nannte Oskar Lafontaine (SPD) einen „großen diplomatischen Fehlschlag“. Vorbehalte gegen Kohls Politik äußerten auch europäische Politiker, unter ihnen die britische Premierministerin Margaret Thatcher.

Gerhard Schröder „Das ist kein großer Wurf“, sagte Oppositionsführerin Angela Merkel (CDU) über die Agenda 2010 von Kanzler Gerhard Schröder (SPD), der die wichtigste Sozialreform seit 1949 durchsetzte. 2003 und 2004 wurde Schröder auch von Gewerkschaften und dem linken Flügel seiner Partei heftig attackiert. Und mit Blick auf das Nein des Kanzlers zu einer deutschen Beteiligung am Irak-Krieg sagte Merkel: „Schröder spricht nicht für alle Deutschen.“