Leserbriefe

„Mega-Streik schadet dem Image der Bahn“

Zum Artikel: „Längster Bahnstreik der Geschichte“ vom 4. Mai

Nach Artikel 9 Absatz 3 unseres Grundgesetzes ist die Tarifautonomie ein verankertes Recht von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, um Vereinbarungen mit normativer Wirkung frei von staatlichen Eingriffen über Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen zu treffen. Trotzdem fordert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Zwangsschlichtung im Streik der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) als probates Mittel zur Beendigung der Tarifauseinandersetzung. Statt Zwangsschlichtung ist das Gebot der Stunde die Anerkennung des gewerkschaftlichen Wettbewerbs. Auf dieser Basis sollte es zu einem wünschenswerten Kompromiss beider Tarifparteien kommen. Ein Mega-Streik schadet dem Image der Bahn und bewirkt, dass noch mehr Güter und Personen von der Schiene auf die Straße verlagert werden.

Roland Klose, per E-Mail

Die Lokführer der GDL streiken – und wir sind die Verlierer. Unser Bus der Linie 349 hier in Eichkamp fährt nur von Montag bis Freitag, von 8 bis 18 Uhr, die S-Bahn zwischen Westkreuz und Spandau fährt gar nicht. Anfragen bei BVG und S-Bahn, ob der Bus am Wochenende fährt oder die S-Bahn nach Spandau, werden nicht beantwortet. Aber die Fahrpreise werden wieder erhöht.

Peter Schönborn, Charlottenburg

Es geht der GDL bei diesem Streik nicht in erster Linie um mehr Gehalt, es geht schlicht und einfach um Macht. Dazu wird die Bevölkerung als Faustpfand benutzt. Der Weg zur Arbeit wird zeitlich verlängert, für einige ist die Arbeitsstelle sogar unerreichbar. Schüler können an anstehenden Klausuren nicht teilnehmen, sollen aber nach erfolgter Ausbildung für unsere Zukunft sorgen. Für GDL-Chef Claus Weselsky zählt das alles nicht. Er möchte an der Macht bleiben und ist bereit, die Zukunft unserer Kinder zu gefährden. Für ein derart verantwortungsloses Handeln habe ich kein Verständnis und auch nicht für Lokführer, die weiterhin zu der GDL gehören wollen. Pendler mit Pkw sind in Berlin zwar unerwünscht, aber in diesen Zeiten pünktlich am Arbeitsplatz. Vielleicht sollten die Politiker das bedenken, wenn über Straßenrückbau diskutiert wird.

Ralf Seebold, Mittenwalde

Allein die Tatsache, dass man persönlich von den Folgen eines so langen Streiks betroffen ist, rechtfertigt noch nicht, mit zum Teil nicht druckreifen Argumenten gegen die GDL und dessen Vorsitzenden vorzugehen. Wenn beispielsweise die Mitarbeiter des Ordnungsamtes in einen zehntägigen Ausstand treten würden, gingen die Stammtischparolen sicher in eine ganz andere Richtung, weil das ja wiederum persönliche Vorteile der Betroffenen in Aussicht stellen würde. Insbesondere die Medien sollten sich hüten, Stimmung gegen die GDL und ihr Recht zu streiken zu machen, denn dieses ist genauso im Grundgesetz verankert wie die Pressefreiheit.

Mario Bär, Charlottenburg

Dieser offenbar krankhaft machtbesessene GDL-Chef hat offenbar jeglichen Bezug zur Realität verloren und hat ausschließlich seine eigenen Interessen im Kopf. Um durch das geplante Tarifeinheitsgesetz nicht in der Versenkung zu verschwinden, nimmt er in Kauf, der deutschen Wirtschaft massiv zu schaden. Die finanziellen Angelegenheiten der Lokführer sind nur vorgeschoben.

Ulla Kraeling, Westend