Demonstration

Afroamerikaner hoffen im Fall Gray auf Gerechtigkeit

Festnahmen in Baltimore nach Verstößen gegen Ausgangssperre

In der US-Ostküstenstadt Baltimore haben erneut Tausende Menschen gegen Polizeigewalt und Rassismus protestiert. In der Nacht zum Sonnabend wurden nach Polizeiangaben zahlreiche Demonstranten festgenommen, die sich nicht an die Ausgangssperre hielten. Auch in New York forderten mehrere Hundert Menschen „Gerechtigkeit für Freddie Gray“. Der Afroamerikaner war im Polizeigewahrsam ums Leben gekommen. Gegen sechs Polizisten wurde inzwischen ein Strafverfahren eingeleitet.

An den Protesten in Baltimore beteiligten sich am Freitagnachmittag Tausende Menschen. Vor dem Rathaus bildeten sie eine Menschenkette. In der Nacht nahm die Polizei dann zahlreiche Menschen fest, weil diese gegen die seit Tagen geltende Ausgangssperre verstießen. Auch in New York versammelten sich Hunderte Demonstranten, um gegen Polizeiwillkür und Rassismus zu protestieren. In Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien wurden am Rande einer Kundgebung Geschäfte demoliert und ein Auto in Brand gesetzt. Auch die Einleitung von Strafverfahren gegen sechs Polizisten durch die Staatsanwaltschaft konnte die Demonstranten nicht besänftigen. „Schickt diese Mörderpolizisten ins Gefängnis“, lautete einer der Sprechchöre vor dem Rathaus in Baltimore. Gray hatte nach seiner Festnahme Mitte April so schwere Verletzungen erlitten, dass er eine Woche später starb. Die zunächst friedlichen Demonstrationen schlugen Anfang der Woche in heftige Straßenschlachten um. Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake verhängte eine nächtliche Ausgangssperre.

Staatsanwältin Marilyn Mosby hatte am Freitag die Einleitung von Strafverfahren gegen sechs Polizisten wegen Grays Tod verkündet. Die Staatsanwaltschaft legt dem Fahrer des Gefangenentransporters unter anderem Mord mit bedingtem Vorsatz zur Last. Die Vorwürfe gegen die fünf anderen Polizisten reichen von Amtsverletzung über Freiheitsberaubung und Körperverletzung bis zu fahrlässiger Tötung. Mosby sagte außerdem, dass Gray „illegal festgenommen“ worden sei, da er kein Verbrechen begangen habe. Das Messer, das der junge Mann mit sich geführt habe, sei keine verbotene Waffe gewesen. Gegen die sechs bereits vom Dienst suspendierten Polizisten wurden Haftbefehle erlassen. Die Entscheidung der Justiz stieß bei den Menschen in Baltimore auf Freude. „Baltimore, wir haben es geschafft“, schrie der 18-jährige John Johnson. „Der Gerechtigkeit muss Genüge getan werden.“