Expo

Die Welt schaut auf Mailand

Italien knüpft enorme Hoffnungen an die Expo. Die Ausstellung soll jetzt nach drei Rezessionen den Aufschwung einleiten

Der Mailänder Domplatz. Die Kathedrale ist hell erleuchtet. Der Chor des Opernhauses Scala steht in Reih und Glied. Am Steinway-Flügel auf der Bühne nimmt der chinesische Klaviervirtuose Lang Lang Platz. Vor das Mikrofon in der Mitte tritt Tenor Andrea Bocelli. Es folgen Stücke der Opernhelden Verdi und Puccini, „Va, pensiero“, „Nessun dorma“. Und, am Schluss, „O sole mio“.

Am 1. Mai begann die Expo in Mailand. „Feeding the Planet, Energy for Life“ heißt das Motto. Bis Ende Oktober dauert die Weltausstellung. 145 Länder nehmen teil, 20 Millionen Besucher werden erwartet. Italien knüpft enorme Hoffnungen an das Großereignis. Es soll das Land, das drei Rezessionen seit 2008 erlebt hat, den lang ersehnten Aufschwung bringen. Die Voraussetzungen für die Wende zum Guten in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone könnten besser nicht sein. Der Euro hat stark abgewertet. Der Ölpreis ist gefallen. Die Zinsen sind niedrig. Und die Expo richtet die Scheinwerfer der Welt auf Italien.

In den oberen Etagen der internationalen Finanzwelt wird optimistisch auf Italien geblickt. „Now or Never“, „Jetzt oder nie“, betitelt Morgan Stanley eine Studie zu Italien. Das Wall-Street-Haus spricht mit Blick auf Wechselkurs, Ölpreis und Zinsen von einem „dreifachen Schub“. „Der treibt die gesamte Euro-Zone an. Aber Italien dürfte dieses und nächstes Jahr am meisten von ihm profitieren“, schreibt das Morgan-Stanley-Team. Sollte sich die frohe Vorhersage bewahrheiten, könnten die Menschen in der gebeutelten Euro-Zone aufatmen. Italien ist abgesehen von Griechenland das größte Sorgenkind der Währungsunion.

Positive Anzeichen

Das „italienische Wirtschaftswunder“ kommt bescheiden daher. Die Prognosen für das BIP-Wachstum 2015 bewegen sich im Schnitt bei 0,5 Prozent. Das Forschungsinstitut Prometeia geht von einem Plus von 0,7 Prozent aus. 0,2 Prozentpunkte davon seien der Expo geschuldet. Für 2016 und 2017 rechnen die Experten mit einem Zuwachs von 1,6 und 1,4 Prozent, für den Zeitraum von 2018 bis 2022 mit 1,2 Prozent. Das sei weniger als der EU-Durchschnitt, unterstreicht Prometeia. Blickt man genauer hin, dann häufen sich in Italien die positiven Anzeichen. Die Unternehmen im Dienstleistungssektor und in der Bauwirtschaft fassen Vertrauen. Das gilt auch für die Privathaushalte, deren verfügbares Realeinkommen im Jahr 2014 erstmals seit 2007 zunahm. Internationale Investoren kehren ins Bel Paese zurück. Laut der Banca d’Italia erwarben Anleger aus dem Ausland in den ersten zwei Monaten des Jahres italienische Staatsanleihen im Umfang von 36 Milliarden Euro.

Das Expo-Gelände in Mailand. Um acht Uhr morgens öffnen die Tore der Weltausstellung. An der Bahnhaltestelle Rho Fiera herrscht Gedränge. 30 Metalldetektoren sollen für ein Höchstmaß an Sicherheit sorgen. Die Kontrollen gehen zügig voran, kurz darauf strömen die ersten Besucher auf das Gelände. Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella ist hoffnungsvoll gestimmt. „Heute beginnt ein neuer Zyklus“, sagte Mattarella in einem langen Zeitungsinterview, das pünktlich zu Expo-Beginn erschienen ist. „Es ist das Signal, dass Italien aufbricht.“ „Now or never.“

Weit entfernt vom Ausstellungsgelände setzten in der Innenstadt später Dutzende von Randalierern parkende Autos in Brand, warfen Fenster von Banken und Läden ein und stießen mit der Bereitschaftspolizei zusammen. Sie hatten sich von einer weitgehend friedlichen Kundgebung von Globalisierungsgegnern abgespalten. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Einige vermummte Randalierer warfen Flachen und Brandsätze auf Polizisten, steckten Mülleimer an und rissen das Pflaster auf. Feuerwehrleute löschten die Brände.