Terror

Fast 300 Frauen aus der Gewalt von Boko Haram befreit

Offenbar keines der entführten Mädchen aus Chibok unter den befreiten Geiseln

Das Militär hat bei einer Offensive im Nordosten Nigerias 200 Mädchen und 93 Frauen aus der Gewalt der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram befreit. Ihre Identität werde derzeit untersucht, wie Militärsprecher Sani Usman am Dienstag sagte. Bislang könne nicht bestätigt werden, dass sich unter den Befreiten auch Schülerinnen des Internats in Chibok befänden.

Zuvor hatte die Armee über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt gegeben, dass bei dem Einsatz im Sambisa-Wald drei Lager der Extremisten eingenommen und zerstört worden seien, darunter auch das berüchtigte Tokumbere-Camp. Der Wald ist ein nationales Wildreservat und gilt als Zentrum der Terrorgruppe.

Eine Quelle beim Militär berichtete, dass einige der geretteten Frauen gegen die nigerianischen Soldaten gekämpft hätten. Boko Haram habe bewaffnete Frauen als menschliche Schutzschilde benutzt und sie in die erste Verteidigungslinie gestellt. Die Armee überwältigte sie und kreiste sie ein. Anschließend hätten einige der Kämpferinnen berichtet, dass sie von der Terrorgruppe zum Kampf genötigt worden seien.

Im April 2014 hatte Boko Haram fast 300 Schulmädchen aus der Stadt Chibok im Nordosten Nigerias entführt. Die Opfer wurden damals in Lastwagen in den Sambisa-Wald gebracht. Dutzenden gelang die Flucht, doch 219 der Mädchen gelten weiterhin als vermisst. Ihr Schicksal sorgte international für Aufmerksamkeit, im Rahmen der Kampagne #BringBackOurGirls forderten internationale Staats- und Regierungschefs sowie Prominente ihre Freilassung.

Die nigerianische Armee hatte vor zwei Wochen bekannt gegeben, dass sie in den Sambisa-Wald vordringen wolle, nachdem sie über dem Gebiet bereits Luftangriffe geflogen hatte. Auch die Schulmädchen werden in dem Wald vermutet. Allerdings ist unbekannt, wie viele Mädchen, Frauen und junge Männer die Gruppe insgesamt entführt hat. Sie werden von den Extremisten als Sexsklavinnen oder Kämpfer benutzt. Manche wurden als Selbstmordattentäterinnen missbraucht.

Seit Ende Januar helfen die Nachbarstaaten Nigeria im Kampf gegen die Extremisten. Eine multinationale Truppe habe Boko Haram aus allen Gebieten im Nordosten Nigerias mit Ausnahme des Sambisa-Waldes vertrieben, sagte Militärsprecher Chris Olukolade.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass Boko Haram im nigerianischen Nordosten offenbar ein neues Massaker an Hunderten Dorfbewohnern verübt hat. Soldaten aus dem Tschad und Niger hatten in einer Militäroffensive die Extremisten im März von dort vertrieben, doch erst jetzt wurde das Ausmaß der Gräueltaten bekannt. Vor ihrem Rückzug aus dem Ort hätte Boko Haram zahlreiche Einwohner umgebracht und nahezu alle Gebäude zerstört, hieß es.