Jahrestag

Aufarbeitung des Völkermords an Armeniern gefordert

Der Bund der Vertriebenen hat eine wahrheitsgemäße Aufarbeitung und Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren gefordert.

„Nur dadurch kann die Erinnerung an das Schicksal und an das Leid der Opfer und Hinterbliebenen angemessen bewahrt werden“, erklärte der Präsident des Verbands, Bernd Fabritius, am Dienstag in Berlin. Das sei kein Angriff auf das Ansehen der modernen Türkei des 21. Jahrhunderts, betonte er: „Ein Staat, der auch zu den dunkelsten Seiten der eigenen Geschichte steht, zeigt Stärke und wahre Souveränität.“

Wie am Montag bekanntwurde, haben sich die Koalitionsfraktionen im deutschen Bundestag nach langer Debatte auf eine Formulierung geeinigt, die das Wort „Völkermord“ ausdrücklich enthält. In einem gemeinsamen Antrag heißt es, dass das Schicksal der Armenier „beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen und der Völkermorde“ im 20. Jahrhundert stehe. Angaben des Auswärtigen Amtes nach ist diese Formulierung mit der Bundesregierung abgestimmt.

Unterdessen hat der türkische Regierungssprecher Bülent Arinc erstmals den Begriff des Völkermords im Zusammenhang mit den Massakern an den Armeniern nicht mehr generell zurückgewiesen. Zugleich schloss er laut Presseberichten vom Dienstag eine Intention zur Vernichtung des gesamten Volkes aus. Zwar wisse die Türkei, dass es im Osmanischen Reich bei „Maßnahmen“ gegen armenische Aufständische eine „Tragödie“ gegeben habe, sagte Arinc. „Aber wir haben nicht wissentlich, vorsätzlich und absichtlich einen Völkermord begangen.“ Die Ereignisse von 1915 fielen nicht unter die Genozid-Definition der Vereinten Nationen, so Arinc.

An diesem Freitag jährt sich der Beginn der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich zum hundertsten Mal.