Bildung

Asiaten mögen Deutsch

Weltweit lernen rund 15,4 Millionen Menschen die fremde Sprache. In Europa ist das Interesse groß

In einem asiatischen Restaurant hat Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, ein Schlüsselerlebnis: Als die Servicekraft seine Papiere mit dem Institutslogo sieht, spricht sie ihn prompt an: „Ich habe in Hanoi drei Jahre lang am Goethe-Institut Deutsch gelernt“, sagt die junge Frau, die inzwischen in Berlin studiert. Für den Generalsekretär bestätigt die Begegnung einen Trend: In Asien, vor allem in China und Indien, aber auch in Südamerika sowie im Nahen und Mittleren Osten gibt es ein zunehmendes Interesse an Deutsch. „In Asien hat sich die Nachfrage seit 2010 teilweise vervielfacht“, so Ebert am Dienstag. Wie die Studie „Deutsch als Fremdsprache weltweit – 2015“ zeigt, belegen derzeit 15,4 Millionen Menschen Sprachkurse. In Brasilien lernen 134.000 Menschen Deutsch, in China 117.000 (und damit mehr als doppelt so viele wie 2010), in Indien 154.000. Die Zahlen stellt das Auswärtige Amt gemeinsam mit dem Goethe-Institut, dem DAAD und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen alle fünf Jahre zusammen. Das Gros der Deutschlerner stammt nach wie vor aus Europa, insgesamt sind es hier 9,4 Millionen. Das Interesse an der Sprache ist oft mit der Hoffnung auf berufliche Karriereperspektiven verbunden, wie die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer, darlegte.

Die hohe Zahl von Deutschlernern in Polen – mit 2,28 Millionen Menschen liegt das Nachbarland weltweit an der Spitze – ist ebenso ein Beleg dafür wie die Entwicklung in EU-Staaten wie Spanien – rund 153.000 Menschen lernen hier Deutsch und damit deutlich mehr als vor fünf Jahren – oder in Griechenland. Dort gibt es 268.000 Deutschlerner, allein im Schulbereich kletterte deren Zahl seit 2010 um 81.000. Insgesamt dürfte die Zahl der Interessenten noch viel höher liegen als bei 15,4 Millionen, denn Daten zum boomenden Onlinelernen sind in die Erhebung nicht eingeflossen. „Die Vermittlung der Sprache schafft eine Bindung an Deutschland, an unsere Kultur und Werte“, sagte Böhmer. Insofern bedeutet eine hohe Zahl von Deutschlernern für sie auch eine „Stärkung des Standortes Deutschland“.

Besonders stellt sich die Situation in Frankreich dar. Zwar gibt es hier weiter rund eine Million Deutschlernende, doch das liegt vor allem an den populären Zwei-Sprachen-Klassen, in denen junge Franzosen in der Mittelstufe parallel in Deutsch und Englisch unterrichtet werden. Nun droht eine Verschlechterung: Besorgt verfolgt nicht nur das Auswärtige Amt die Pläne der französischen Bildungsministerin, die Klassen abzuschaffen. Auch in Frankreich selbst regt sich massiver Widerstand.

Frankreich streicht Unterricht

Die Reformpläne bezeichnete die Staatsministerin als „schmerzhafte Nachricht“ für alle, denen die deutsch-französische Freundschaft am Herzen liege. „Wir brauchen mehr Deutschlerner in Frankreich, nicht weniger“, so Böhmer. Experten sagen dem Deutschunterricht ein Nischendasein voraus, sollten die Zwei-Sprachen-Klassen wegfallen.

Sprachkenntnisse werden vor allem an Schulen erworben. 87 Prozent aller Deutschlerner, also 13,4 Millionen, sind Schüler. Zahlenmäßig ins Gewicht fallen aber auch die Studierenden, denn an Hochschulen befassen sich aktuell 1,3 Millionen Studierende mit den Regeln und Tücken der deutschen Sprache. Dazu kommen rund 600.000 Deutschlernende im Bereich der Erwachsenenbildung. Das Goethe-Institut selbst bietet weltweit Sprachkurse an, die im vergangenen Jahr knapp 274.000 Menschen im In- und vor allem im Ausland besuchten. Das spiegelt sich in der Hauptstadt, denn die Angebote des Berliner Goethe-Instituts erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Aktuell besuchen 8325 Ausländer dessen Deutschkurse. Wie hoch der Bedarf ist, zeigt auch das stark wachsende Interesse am Masterstudiengang „Deutsch als Fremdsprache“ an der Freien Universität. Die Anzahl der Bewerbungen steige jährlich, so die FU.

Neben den Erfolgsmeldungen gab es am Dienstag aber auch Rückgänge zu vermelden. Im Vergleich zu 2010 sind die Zahlen in den Ländern der Ex-Sowjetunion erneut und deutlich zurückgegangen, was die Studie auf Bildungsreformen und die demografische Entwicklung zurückführt. Immerhin: Mit 3,1 Millionen Deutschlernenden in den Ländern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) ist die Zahl immer noch hoch.