Kommentar

Die angekündigte Behörden-Notlage

Joachim Fahrun über die Personalsituation im öffentlichen Dienst in Berlin

Ein bisschen was tut der Senat, das stimmt. Es gibt ein paar mehr Stellen für Auszubildende in den Landes- und Bezirksbehörden. Man arbeitet an einem zentralen Werbeauftritt, um das Land Berlin als attraktiven Arbeitgeber und Ausbilder für junge, motivierte Leute darzustellen. Und weniger Absolventen als früher werden mit befristeten Verträgen abgespeist, wenn sie denn überhaupt übernommen werden. Aber die große Frage lautet: Reicht das, um die Dienststellen funktionsfähig zu halten? Die Antwort werden wir erst wissen, wenn es zu spät ist zum Gegensteuern.

20.000 Mitarbeiter im Landesdienst sind 60 Jahre oder älter. Wer sich die Prognosen für die altersbedingten Abgänge in vielen Behörden für die nächsten Jahre anschaut, muss sich in der Tat Sorgen machen. Mancherorts scheidet gleich mal die Hälfte der Belegschaft aus.

Viel zu spät hatte der Wowereit-Senat zögerlich umgesteuert. Nun zeigt sich, wie beschwerlich es ist, einen jahrelang eingeübten, steilen Abbaupfad zu verlassen. Man muss wieder zurückfinden zu normalem Handeln, wie es die Führung großer Organisationen wie Berlins öffentlichem Dienst mit seinen immer noch mehr als 100.000 Menschen verlangt. Und dazu gehört eine zukunftsorientierte Personalentwicklung, damit die Berliner auch morgen noch zuverlässig von Polizisten geschützt, von Feuerwehrleuten gerettet und von Verwaltungsangestellten mit Pässen versorgt werden. Wer mit Männern in den spärlich besetzten Feuerwachen spricht, beim Bürgeramt auf Termine wartet oder hört, dass begehrte Kita-Plätze frei bleiben wegen fehlender Erzieherinnen, der weiß, dass es vielerorts schon bedenklich klemmt.

Dass es unter diesen Umständen schwierig ist, genügend motivierte, gute Bewerber für die angebotenen Stellen und Ausbildungsplätze zu finden, überrascht nicht. Schließlich suchen auch andere Behörden und Unternehmen intensiv Nachwuchs. Schlaue Schulabgänger haben zunehmend gute Chancen. Und wenn es sie in den öffentlichen Dienst zieht, können sie in Bundesbehörden oder in Brandenburg deutlich mehr verdienen als in Berlin.

Bisher ist die Koalition aus SPD und CDU ein schlüssiges Konzept schuldig geblieben, wie sie ihre Hausaufgaben erledigen und das Funktionieren der Behörden sicherstellen möchte. Mit dem Doppelhaushalt 2016/2017 hat der Senat die wohl letzte Chance, den Kollaps zu verhindern.