CSU

Innenminister denkt über Berufsverbot für Depressive nach

Vor dem Hintergrund des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen, der vom Copiloten Andreas L. absichtlich herbeigeführt worden sein soll, hält Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ein Berufsverbot für Menschen mit Depressionen für denkbar.

Voraussetzung sei eine „sorgfältige medizinische Begutachtung“, sagte Herrmann dem „Focus“. Wenn diese Begutachtung zu dem Ergebnis komme, „dass etwa ein Pilot, ein Busfahrer oder ein Taxifahrer dauerhaft nicht mehr geeignet ist, Menschen oder sonstige Güter zu transportieren, ohne dass Gefahr für Leib und Leben anderer besteht, dann kann solchen Personen auch der Führerschein beziehungsweise die Lizenz entzogen werden“, sagte Herrmann.

SPD fordert Einzelfallprüfung

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach äußerte sich ähnlich. „Bei bestimmten Formen der Depression könnte ein Berufsverbot unter bestimmten Umständen notwendig sein“, sagte Lauterbach dem Magazin. Das hänge aber sehr vom Einzelfall ab. „Wenn etwa eine gefährliche Depression klar diagnostiziert wird und sich der Patient einer Behandlung verweigert, wäre ein Berufsverbot die letzte Konsequenz.“

Das Bundesgesundheitsministerium schloss sich dem Vorstoß nicht an. Ob etwa ein Pilot für seinen Beruf infrage komme, sei in erster Linie eine berufsärztliche Entscheidung, sagte ein Sprecher. Zugleich seien arbeitsrechtliche Fragen berührt. Die Kriterien, unter welchen Umständen jemand seinen Job nicht mehr ausüben könne, müsse wiederum die für den Berufszweig zuständige Aufsichtsbehörde festlegen.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für den „Focus“ zufolge sind 58 Prozent der Deutschen dafür, bei sensiblen Berufsgruppen wie Pilot, Busfahrer oder Lokführer im Fall von Depressionen ein Berufsverbot auszusprechen. 32 Prozent der Befragten lehnen das ab. Zehn Prozent machten keine Angaben.