Übergriffe

Drei Angriffe auf Flüchtlingsheime pro Woche

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Manuel Bewarder

Straftaten steigen weiter an. In Tröglitz klopfen die Ermittler derzeit an jede Tür

Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlinge im Bundesgebiet steigt weiter. Wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte, haben zuletzt die Proteste sowie die Straftaten gegen Asylbewerber und deren Unterkünfte zugenommen. Dabei handele es sich um kein reines Ost-Phänomen, auch wenn es überdurchschnittlich viele Übergriffe in dieser Region gebe. Der Trend der vergangenen Jahre scheint somit ungebrochen: 2012 wurden 24 Übergriffe auf Heime und Wohnungen von Flüchtlingen in Deutschland registriert, im Jahr darauf waren es bereits 58 und 2014 schließlich insgesamt 150 Angriffe. Gleichzeitig gibt es deutlich mehr Demonstrationen gegen Flüchtlingsunterkünfte.

Am Wochenende hatte es einen Brandanschlag auf eine geplante Unterkunft in Tröglitz in Sachsen-Anhalt gegeben. Die Beamten einer eigens gegründeten Ermittlergruppe suchen dort weiterhin nach Hinweisen. Die Polizei geht in dem Ort mit 2700 Einwohnern von Tür zu Tür und befragt die Menschen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte mit Blick auf die steigende Zahl von Übergriffen auf Flüchtlingsheimen erklärt: „Tröglitz ist überall“ – und damit eine Debatte zur Frage befeuert, wie sehr die Gewalt gegenüber Flüchtlingen ein überregionales Phänomen darstellt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wies bei einem Besuch des Technischen Hilfswerkes in Erfurt auf die Besonderheit des Falls hin. Tröglitz habe bereits für Schlagzeilen gesorgt, nachdem der Ortsbürgermeister Markus Nierth wegen Anfeindungen von Rechtsextremen zurückgetreten war. De Maizière: „Meiner Meinung nach ist Tröglitz nicht überall.“ Er setze auf eine starke Bürgergesellschaft zum Schutz von Flüchtlingen.

Anfragen der Berliner Morgenpost bestätigen die Angabe, wonach die Zahl der Übergriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte oder deren Bewohner bundesweit steigt. Bei den Delikten handelte es sich etwa um Hakenkreuz-Schmierereien, aber auch um Gewaltübergriffe oder Brandanschläge. In Niedersachsen wurden in den ersten Monaten dieses Jahres fünf Fälle registriert, im gesamten Jahr 2014 waren es nur drei. Das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen verzeichnete zuletzt die meisten Vorfälle. Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte: „Wir werden alles dafür tun, dass es dem rechten Mob nicht gelingt, die Gesellschaft in dieser so wichtigen humanitären Frage zu spalten.“

Offenbar hat in Deutschland die rechte Gewalt zuletzt insgesamt zugenommen. Für die Monate Januar bis Februar meldete die Bundesregierung laut „Tagesspiegel“ bereits 98 Angriffe von Neonazis und anderen Rechten, bei denen 67 Menschen körperlich geschädigt wurden. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 69 rechte Gewalttaten mit 58 Verletzten.