Militär

Kenia bombardiert Islamisten

Al-Schabab-Stellungen in Somalia angegriffen. Präsident unter Druck

Vier Tage nach dem tödlichen Angriff der somalischen Al-Schabab-Miliz auf eine Universität in Kenia hat die kenianische Luftwaffe zwei Lager der Islamisten im benachbarten Somalia bombardiert. Die beiden Stellungen in der südlichen Region Gedo seien zerstört worden, sagte Armeesprecher David Obonyo am Montag. Nach dem Angriff auf die Universität mit 148 Toten hatte Präsident Uhuru Kenyatta den Islamisten mit Vergeltung gedroht.

Mit dem Massaker auf dem Universitätscampus in Garissa wollte die Schabab-Miliz die kenianische Armee zum Rückzug aus Somalia zwingen, wo sie sich am Einsatz der Afrikanischen Union gegen die islamistischen Rebellen beteiligt. Die Miliz hatte am Sonnabend mit einem weiteren Blutbad gedroht, sollte Kenia seine Angriffe fortsetzen. Armeesprecher Obonyo kündigte nun weitere Bombardierungen an.

Unter den Opfern des stundenlangen Massakers am Donnerstag waren 142 vorwiegend christliche Studenten, drei Polizisten sowie drei Soldaten. Die vier Attentäter hatten bewusst nach Christen Ausschau gehalten. Am Sonnabend wurde eine Überlebende gefunden, die sich zwei Tage in einem Schrank versteckt hatte.

Präsident Kenyatta warnte ebenso wie der anglikanische Erzbischof von Nairobi, Eliud Wabukala, vor einer Spaltung des Landes. „Gerechtfertigter Zorn“ dürfe nicht dazu führen, Muslime zu Sündenböcken zu machen, „denn dies würde nur den Terroristen nutzen“, sagte Kenyatta. Im überwiegend christlichen Kenia leben rund 20 Prozent Muslime. Der stellvertretende Vorsitzende des Rats der Muslime in Kenia, Hassan Ole Naado, sagte, Kenia befinde sich im „Krieg, und wir müssen alle zusammenstehen“. Der Rat der Muslime werde dazu beitragen, Geld für die Beerdigung der 148 Toten und für die Behandlungskosten der rund hundert Verletzten aufzubringen.

Bislang wurden fünf Verdächtige festgenommen. Drei mutmaßliche Koordinatoren des Angriffs wurden laut Innenministeriumssprecher Mwenda Njoka auf der Flucht nach Somalia gefasst; festgenommen wurden auch ein Wachmann der Universität und ein Tansanier, der sich mit Granaten ausgerüstet auf dem Campus verborgen hatte. Die Regierung setzte zudem eine Belohnung in Höhe von umgerechnet 200.000 Euro auf die Ergreifung des Al-Schabab-Kommandeurs Mohammed Mohamud aus, eines früheren kenianischen Lehrers, der als Drahtzieher des Anschlags gilt.

Unterdessen wächst die Kritik der Medien an der Arbeit der Sicherheitskräfte. Warnungen der Geheimdienste vor einem bevorstehenden Angriff wurden demnach übersehen, zudem sollen die Spezialkräfte der Polizei sieben Stunden gebraucht haben, um aus der Hauptstadt Nairobi an den Tatort im Norden des Landes zu gelangen.