Job

Margot Käßmann will schon mit 60 in den Ruhestand

Der Bundespräsident hat da andere Vorstellungen. Joachim Gauck, selbst schon 75 Jahre alt, forderte unlängst, dass die Politik den Bürgern ein längeres Arbeiten über das bisherige Rentenalter hinaus ermöglichen solle.

Doch Margot Käßmann, evangelische Amtsschwester des früheren Pfarrers Gauck, will nicht später, sondern früher aufhören zu arbeiten. „Nach dem Jubiläumsjahr 2017 werde ich schlicht in den Ruhestand gehen“, sagte Käßmann der „Nordwest-Zeitung“.

Die zurückgetretene Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland wird im Juni 2018 60 Jahre alt. Mit dem „Jubiläumsjahr“ meint Käßmann, dass 2017 das große Reformationsgedenken ansteht. Dann jährt sich zum 500. Male die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen gegen den kirchlichen Ablasshandel Ende Oktober 1517.

Ein Rückzuck wäre für sie ab ihrem 60. Geburtstag arbeitsrechtlich unproblematisch. Denn die Hannoversche Landeskirche, deren Pastorin sie ist, folgt in diesem Punkt dem niedersächsischen Beamtenrecht. Demnach können Pastoren der Landeskirche vom 60. Lebensjahr an ohne Angabe weiterer Gründe in Pension gehen – müssen aber Kürzungen ihrer Bezüge hinnehmen. Das wird sie verschmerzen. Zum einen, weil in Käßmanns Pensionsberechnung ihr hohes Gehalt als Hannoversche Landesbischöfin einfließt (Stufe B 8), das ihr seit ihrem Amtsantritt 1999 gezahlt wird – trotz ihres Rücktritts wegen der Alkoholfahrt im Februar 2010. Indes ist die Weiterzahlung jenes Gehalts weder ein Ausdruck besonderer Großzügigkeit noch ein Käßmann-Bonus, sondern rechtlich vorgeschrieben. Lange vor Käßmanns bischöflicher Amtszeit nämlich erließ die Landeskirche ein Kirchengesetz, wonach ehemaligen Bischöfen nach zehn Jahren Amtszeit – bei Käßmann waren es gut zehn zwischen 1999 und Anfang 2010 – das Gehalt weiterhin in voller Höhe zusteht.