Terror

Schock nach islamistischem Anschlag an Universität in Kenia

Die Terroristen kannten sich an der Uni gut aus. Offenbar gab es Warnungen. USA und UN bieten dem Land Hilfe an

Die somalische Terrorgruppe al-Schabab hat ihren Anschlag auf eine Universität im benachbarten Kenia mit 148 Toten offenbar intensiv geplant. Eine Überlebende berichtete, die Angreifer seien auf dem Gelände der Universität von Garissa zuerst gezielt zu einem Hörsaal gestürmt, in dem sich christliche Studenten zum Morgengebet eingefunden hatten. Die 21-jährige Helen Titus vermutete, die Täter hätten den Campus genauestens gekannt.

Die Angreifer waren am Donnerstag gegen 5.30 Uhr auf das Gelände gestürmt, drangen in Wohnheime ein und töteten Zeugen zufolge gezielt Nichtmuslime. Später verschanzten sie sich mit Geiseln. Nach stundenlangem Einsatz erschoss die Polizei vier Bewaffnete und nahm einen Verdächtigen fest, der zu fliehen versucht hatte.

„Sie hatten unser Gelände erforscht, sie wussten alles“, sagte Titus, die Englische Literatur studiert. Im Krankenhaus berichtete sie, sie habe ihr Gesicht mit dem Blut von Kommilitonen beschmiert und sich still auf den Boden gelegt, damit die Angreifer sie für tot hielten. Die Extremisten hätten Studenten, die sich in Schlafräumen versteckten, zugerufen, sie würden sie nicht töten, wenn diese herauskämen. Viele Studenten hätten dies getan und seien dann doch erschossen worden. Die Überlebende Nina Kozel berichtete, sie sei von Schreien geweckt worden. Studenten, die sich nicht rechtzeitig ins Freie retten konnten, hätten sich unter Betten und in Toiletten ihrer Schlafräume versteckt. Doch dort hätten die Extremisten sie erschossen. Die maskierten Bewaffneten hätten „Gott ist groß“ gerufen, während sie ihre Opfer töteten.

Einer Studentin der benachbarten Pädagogik-Hochschule zufolge hatte es Warnungen vor einem Anschlag gegeben. Am Montag seien sie vom Direktor informiert worden, dass Fremde in der Stadt und in der Hochschule gesehen worden seien. Die Hochschule sei daraufhin am Dienstag geschlossen worden, der Campus aber offen geblieben.

Augenzeugen sagten der „Daily Nation“, die Angreifer hätten die Studenten aufgefordert, Verse aus dem Koran zu zitieren. „Sie standen vor den Wohnheimen und stellten Fragen über den Islam und den Propheten“, sagte der Hochschüler Hassan Abdi. Offensichtlich ermordeten die Extremisten hauptsächlich christliche Studenten, die nicht antworten konnten. Wie die Zeitung weiter berichtete, zündeten die Angreifer zum Schluss Sprengstoffgürtel. Viele Leichen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes in die Hauptstadt Nairobi geflogen. Die Organisation bat die Angehörigen über den Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Toten zu identifizieren.

Der Überfall auf die Universität, rund 150 Kilometer von der somalischen Grenze entfernt, war der bisher schwerste Anschlag von al-Schabab in Kenia. Die Extremisten bekannten sich kurz nach Beginn der Attacke zur Tat. Garissa mit ihren mehr als 120.000 Einwohnern wurde bereits mehrmals zum Ziel von Anschlägen. Am Freitag protestierten einige Männer in der Stadt gegen die Gewalt. „Wir sind gegen das Töten unschuldiger Kenianer!“, stand auf Schildern. „Wir haben genug davon!“ Regierungen weltweit verurteilten den Angriff auf die Universität. „Dieser Anschlag auf unschuldige Menschen bringt erneut zum Ausdruck, mit welcher Brutalität die Terroristen von al-Schabab vorgehen“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Sein US-Kollege John Kerry erklärte, die Vereinigten Staaten stünden entschlossen zur kenianischen Regierung, um den Terror zu beenden.