Kompetenzen

Lehrer warnen: Die Handschrift geht verloren

Schon Johann Wolfgang von Goethe hat es gewusst: Handgeschriebene Zeilen haben einen eigenen Wert.

1806 schrieb er einem Freund, dass er sich bemühe „von bedeutenden Männern der gegenwärtigen und vergangenen Zeit ein eigenhändig Geschriebenes zu erhalten und zu besitzen“. Das eigenhändig Geschriebene – die Schüler im Land der Dichter und Denker haben damit im Jahr 2015 Schwierigkeiten. Das ist die Botschaft einer Umfrage unter über 2000 Lehrern, die das Schreibmotorik Institut und der Deutsche Lehrerverband (DL) am Mittwoch vorstellten.

Demnach finden 83 Prozent der Grundschullehrer, dass Schüler heute weniger motorische Kompetenzen zum Erlernen der Schrift mitbringen als noch vor Jahren. In weiterführenden Schulen stimmen dem 79 Prozent der Lehrer zu. Aus der Umfrage geht außerdem hervor, dass rund die Hälfte der Jungen und etwa ein Drittel der Mädchen Probleme mit der Handschrift haben. Nur 38 Prozent aller Schüler können beschwerdefrei länger als 30 Minuten schreiben. Auch die Leserlichkeit und Geschwindigkeit des Schreibens wird von den Lehrkräften als Problem wahrgenommen.

Nach Einschätzung von DL-Präsident Josef Kraus liegen die Ursachen sowohl in der frühkindlichen Erziehung als auch in der Schulpolitik. „Kinder können sich immer weniger erproben und ausprobieren“, sagte Kraus. Kritzeln, Malen, Kneten, Basteln seien die klugen Mütter und Tanten des Schreiben-Könnens. Ursächlich sei auch die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft. Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK) Brunhild Kurth (CDU) teilte mit: „Die zunehmende Digitalisierung können wir nicht aufhalten, aber umso wichtiger ist es, dass die Schule dafür sorgt, dass alle Schüler eine individuelle und lesbare Handschrift entwickeln.“ Das Thema Handschrift werde „am Rande der KMK-Sitzungen“ vorkommen.