Gedenken

Lufthansa sagt Jubiläumsfeier ab

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Flugzeugabsturz: Alle Toten sind geborgen. Bundeswehr schickt Hubschrauber zur Unterstützung bei Ermittlungen

Am Absturzort der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen haben die Ermittler die Bergung der Leichen beendet. Es gebe keine Leichen mehr am Absturzort, teilte die Gendarmerie am Dienstagabend in Seyne-les-Alpes mit. Auch Lufthansa meldete sich am Abend noch einmal zu Wort. Das Unternehmen teilte mit, der Copilot der abgestürzten Maschine habe die Lufthansa bereits im Januar 2009 als Flugschüler über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert. Lufthansa erklärte, die Unterlagen seien „nach weiteren internen Recherchen“ gefunden worden. Gleichzeitig betonte das Unternehmen, Andreas Lubitz habe zum Zeitpunkt des Germanwings-Absturzes in der vergangenen Woche „ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1“ besessen.

Mit dem Absturz befasst sich jetzt auch das Versicherungskonsortium, das die Folgekosten des Absturzes tragen wird. In ihm spielt laut Lufthansa die Münchner Allianz eine führende Rolle. Nach einem Bericht des „Handelsblatt“ stellt dieses Konsortium umgerechnet 278 Millionen Euro zurück. Das Geld sei gedacht für Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen, den zerstörten Airbus A320 sowie die Bergungs- und Betreuungsteams, sagte ein Sprecher der Lufthansa am Dienstag. Den Hauptteil werden Schadenersatzzahlungen an die Angehörigen ausmachen. In einem ersten Schritt zahlt ihnen die Lufthansa bis zu 50.000 Euro je Opfer als Soforthilfe. Das Flugzeug war wegen seines hohen Alters von 24 Jahren nur noch etwa 6,5 Millionen Dollar wert war.

Video aus Flugzeug

Ein Video aus der Germanwings-Unglücksmaschine soll Medienberichten zufolge Bilder aus den letzten Sekunden des Flugs 4U9525 zeigen. Eine offizielle Bestätigung für die Existenz des Videos gab es zunächst nicht. „Bild“ und das französische Magazin „Paris Match“ berichteten am Dienstagabend, Mitarbeiter hätten die Sequenz ansehen können. Das Video sei am Unglücksort von einer Person gefunden worden, die zum Kreis der Ermittler gehöre. Der Zeitung zufolge ist die Szenerie an Bord chaotisch und völlig verwackelt, einzelne Personen seien nicht identifizierbar. Die Echtheit des Videos sei unzweifelhaft. Der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin erklärte auf Anfrage dagegen, er wisse nichts von einem solchen Fund. Es seien eine Reihe von Handys gefunden worden, die noch ausgewertet würden. Sie seien aufgrund des Aufpralls aber in einem sehr schlechten Zustand. „Ich weiß nicht, ob sie ausgewertet werden können.“ Er sei noch zwei Stunden zuvor vor Ort gewesen – da sei von einem solchen Video nicht die Rede gewesen, sagte Robin.

Zu der Absturzstelle konnten die Ermittler eine Woche nach dem Unglück erstmals mit Geländewagen über eine eigens errichtete Behelfsstraße gelangen. Das soll die weitere Suche nach dem noch vermissten Flugdatenschreiber in dem zerklüfteten Gelände erleichtern. Aus Düsseldorf brach am Dienstag auch ein deutsches Ermittlerteam dorthin auf. Frankreichs Präsident François Hollande hatte zuvor in Berlin gesagt, bis Ende der Woche könnten alle 150 Opfer mithilfe von DNA-Proben identifiziert sein.

Die Bundeswehr kündigte an, sie werde die Bergungsarbeiten in den Alpen mit zwei Hubschraubern unterstützen. Die Helikopter seien mit Winden ausgerüstet, um Helfer im steilen Gelände um die Absturzstelle bei Seyne-les-Alpes abseilen zu können, erklärte das Verteidigungsministerium. Deutschland entspreche damit einer Bitte der französischen Behörden. Der Hubschraubereinsatz solle in den kommenden Tagen anlaufen.

Dank an die Helfer

Unterdessen hat die Lufthansa die für den 15. April geplanten Feierlichkeiten zum 60. Konzernjubiläum abgesagt – „aus Respekt vor den Opfern des Absturzes von Flug 4U9525“, wie der Konzern mitteilte. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will am Mittwoch mit Angehörigen im Betreuungszentrum in Marseille zusammenkommen. Germanwings-Chef Thomas Winkelmann dankte den Helfern in einer Videobotschaft. Das Unternehmen werde weiterhin alles in seiner Macht Stehende tun, um den Hinterbliebenen zu helfen.

Ein für Sonnabend in Haltern angekündigter Trauermarsch für die Opfer findet nun doch nicht statt. Die Anmelderin, eine Privatperson, habe ihren Antrag wieder zurückgezogen, teilte die Polizei Recklinghausen mit. Sie habe die Absage damit begründet, dass die Angehörigen der Opfer nach dem für Mittwoch geplanten Gottesdienst in Haltern ein Recht darauf hätten, zur Ruhe zu kommen.