Kommentar

Eine starke Charité

Andreas Abel über die Zukunft des Universitätsklinikums

Die Charité ist ein Aushängeschild der Stadt. Sie leistet Spitzenmedizin und Forschung von internationaler Strahlkraft. Das wird kaum jemand ernsthaft bestreiten. Doch in der Praxis gestalten sich Diskussionen über den Stellenwert des Universitätsklinikums oft zäher und schwieriger. Da ist zunächst die Frage, welche Größe die Charité haben muss, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten und international konkurrenzfähig zu sein. Ihr Vorstandsvorsitzender Karl Max Einhäupl warnt stets davor, dem Universitätsklinikum eine Schrumpfung zu verordnen. Nur starke Worte in eigener Sache?

Bestimmt nicht. Insofern ist es gut, dass Senat und Regierungskoalition jetzt Zeichen setzen und verstärkt in die Standorte Virchow in Wedding und Benjamin Franklin in Steglitz investieren. Gesundheitspolitiker haben in der Vergangenheit halblaut darüber nachgedacht, aus dem Steglitzer Haus eine Klinik der Normalversorgung zu machen und es aus dem Universitätsklinikum herauszulösen. Und sie tun es auch heute noch. Doch die Charité braucht alle ihre Standorte. Davon profitiert nicht nur das Unternehmen selbst, davon profitieren auch die Wissenschaftsstadt Berlin und insbesondere die Patienten – nicht nur im Südwesten.

Ein starkes Universitätsklinikum, das ist auch vor dem Hintergrund eines wegweisenden Beschlusses aus der vergangenen Woche wichtig. Das Abgeordnetenhaus hat in seltener Einmütigkeit, aber fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, das Gesetz zur Errichtung des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) beschlossen. Dort werden die Forschungsbereiche der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in einem Kooperationsmodell verknüpft. Ein Meilenstein für die zukunftsweisende Medizin – und die Patienten.