Sicherheit

Krank im Cockpit

Ärzte dürfen erst Auskunft geben, wenn sie von der Schweigepflicht entbunden sind

Die Entdeckung der medizinischen Formulare in der Wohnung des Copiloten der abgestürzten Germanwings-Maschine, Andreas Lubitz, haben Sicherheitsfragen für die Luftfahrtbranche aufgeworfen. Reicht es, sich auf das Verantwortungsbewusstsein des Piloten zu verlassen, wenn bei bestimmten Krankheiten Lizenzentzug und der Verlust des gut dotierten Jobs droht? Ärzten und Krankenkassen sind jedoch die Hände gebunden. Sie dürfen den Arbeitgeber nicht auf eigene Faust informieren, auch wenn ihr Patient in einem Hochrisikoberuf arbeitet und die Diagnose noch so alarmierend ist. „Der Patient muss dem Arzt ja nicht einmal seinen Beruf nennen und auch der Kassenärztlichen Vereinigung werden nur anonymisierte Daten übermittelt“, sagt ein Sprecher der Ärztekammer Nordrhein.

Die ärztliche Schweigepflicht gehört laut Bundesärztekammer zum Kernbereich der Berufsethik. „Ärzte haben über das, was ihnen in ihrer Eigenschaft als Arzt anvertraut oder bekanntgeworden ist, zu schweigen“, heißt es in Empfehlungen der Kammer für Arztpraxen. Dies ist in Paragraf 9 der Muster-Berufsordnung so geregelt und gilt über den Tod eines Patienten hinaus sowie gegenüber Familienangehörigen. Auch Berufsordnungen der Landesärztekammern beinhalten Regelungen. Ärzte dürfen jedoch Auskunft geben, wenn sie von der Schweigepflicht entbunden worden sind – „oder soweit die Offenbarung zum Schutze eines höherwertigen Rechtsgutes erforderlich ist“. Auch wenn mehrere Ärzte an der Behandlung eines Patienten beteiligt sind, dürfen sie sich untereinander austauschen, wenn das Einverständnis des Patienten vorliegt oder „anzunehmen“ ist.

Sollten Ärzte von ihren Patienten nicht von der Schweigepflicht entbunden worden sein, können sie sich laut Bundesärztekammer ausnahmsweise darüber hinwegsetzen, wenn etwa „besonders schwere Verbrechen“ verhindert werden sollen oder eine Gefahr für Leib und Leben besteht. Ein Beispiel: Ein Arzt darf dem Sexualpartner eines HIV-Patienten dessen Erkrankung mitteilen, wenn er zuvor den Infizierten dazu nicht bewegen konnte. Wer als Arzt Privatgeheimnisse verletzt, kann nach Paragraf 203 des Strafgesetzbuches mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe belegt werden. Das gilt beispielsweise auch für Vertreter anderer Heilberufe und Berufspsychologen.