Flüchtlinge

Die meisten Asylsuchenden zieht es nach Deutschland

Wegen der Kriege in Syrien und dem Irak fliehen die Menschen aus ihrer Heimat

In Deutschland wurden zum zweiten Mal in Folge mehr Asylanträge als in allen anderen Industriestaaten gestellt. Rund 173.000 Asylgesuche seien im Jahr 2014 bei deutschen Behörden eingegangen, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf mit. Die Zahl stieg um 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sie hat sich in den letzten sieben Jahren um das Neunfache erhöht.

Hilfe zur Wiederansiedlung

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr mehr als 850.000 Erstasylanträge in den Industrienationen gestellt. Das ist eine Steigerung von 45 Prozent gegenüber 2013. Die Zahl für 2014 ist damit die höchste seit 1992, als der Konflikt in Bosnien und Herzegowina ausbrach. Das Flüchtlingshilfswerk sieht die Gründe für die starke Zunahme von Asylanträgen vor allem in den Kriegen in Syrien und dem Irak. Des Weiteren spielten andere bewaffnete Konflikte, Menschenrechtsverletzungen und die sich verschlechternde humanitäre Lage in einer Vielzahl von Staaten eine Rolle. UN-Flüchtlingskommissar António Guterres forderte die wohlhabenden Staaten auf, den Opfern von Krieg und Gewalt zu helfen. Die verfolgten Menschen bräuchten Hilfe und Schutz.

„In den 1990er Jahren hatten die Balkankriege Hunderttausende von Flüchtlingen und Asylbewerbern zur Folge“, sagte er. So großzügig wie damals müsse angesichts des Leids speziell in Syrien auch heute reagiert werden. Es gehe nicht nur um die Gewährung von Asyl, sondern auch um Hilfen zur Wiederansiedlung und andere Formen des Schutzes für die Flüchtlinge.

Nach UNHCR-Angaben muss mit einem weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen gerechnet werden, da viele der 3,9 Millionen seit Beginn des Bürgerkriegs im März 2011 in die Nachbarstaaten geflüchteten Syrer nicht mehr daran glaubten, dass sie bald in ihre Heimat zurückkehren können. Angesichts des wachsenden „Gefühls, dass der Krieg niemals enden wird“, hofften sie nun auf einen Neuanfang in Europa. „Wir brauchen Staaten, die sich der Herausforderung stellen“, rief UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming zu weiterer Hilfe auf.

Menschen aus dem Bürgerkriegsland Syrien stellten laut UNHCR 2014 die meisten Asylanträge, fast 150.000, und damit im Schnitt jeden fünften Antrag, der in den Industriestaaten registriert wurde. Auf den nächsten Plätzen folgten Iraker mit knapp 69.000 Asylgesuchen und Menschen aus Afghanistan mit fast 60.000 Bewerbungen. Antragsteller aus Serbien und dem Kosovo hätten 56.000 Bewerbungen eingereicht. Mehr als 48.000 Gesuche seien von Menschen aus Eritrea eingegangen.

Die Gesamtzahl der Asylanträge verteilt sich ungleichmäßig auf die untersuchten Länder. So suchten sechs von zehn Antragstellern Asyl in Deutschland, den USA, der Türkei, Schweden oder Italien. Wegen des Ukraine-Konflikts hat sich die Zahl der Asylbewerber von dort in den Industrieländern binnen Jahresfrist von 1400 auf fast 16.000 mehr als verzehnfacht.

Viele flüchten in die USA

In den USA stellten 121.000 Menschen einen Asylantrag. Hier kamen die meisten Schutzsuchenden aus Mexiko und Ländern in Mittelamerika. Die Zahlen des UNHCR basieren auf Daten von 44 Regierungen in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens. Ende des Jahres 2013 waren 51,2 Millionen Menschen aufgrund von Krieg, Gewalt, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen auf der Flucht. Davon waren 16,7 Millionen Menschen Flüchtlinge und 33,3 Millionen in ihrem eigenen Land auf der Flucht.